Murad Wilfried Hofmann (Hrsg.)

Muhammad Sameer Murtaza (Hrsg.)

Merdan Güneş

Hamid Reza Yousefi

Detlev Quintern

Ecevit Polat

Sedigheh Khansari Mousavi

Islamische Philosophie

Band 3:

Die Blütezeit der Falsafa

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Murad Wilfried Hofmann (Hrsg.)

Muhammad Sameer Murtaza (Hrsg.)

Merdan Güneş

Hamid Reza Yousefi

Detlev Quintern

Ecevit Polat

Sedigheh Khansari Mousavi

Islamische Philosophie

Band 3:

Die Blütezeit der Falsafa

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort

Muhammad Sameer Murtaza

Die Lauteren Brüder und ihre Philosophie der Menschlichkeit

Muhammad Sameer Murtaza

Ikhwan as-Safa und die frühe Einteilung der Wissenschaften: Eine werkimmanente Beschreibung

Hamid Reza Yousefi und Sedigheh Khansari Mousavi

Spiritueller Universalismus – Iwān a-afāʾ und Neue Aufklärung

Detlev Quintern

Das Zeitalter Al-Bīrūnīs

Ecevit Polat

Ibn Sina – Der Fürst der Gelehrten

Muhammad Sameer Murtaza

Avicenna (Ibn Sīnā) und sein philosophisches Erbe

Merdan Güneş

Ibn Al-Haithams Epistemologie

Muhammad Sameer Murtaza

Umar Khayyam – Der Existenzialist

Muhammad Sameer Murtaza

Geleitwort

Muhammad Sameer Murtaza

Der marokkanische Gelehrte und Ideologe Abdessalam Yassine (gest. 2012) schreibt in seinem Buch The Muslim Mind on Trial der Philosophie in der muslimischen Welt die Rolle zu, die Muslime vom Islam weggeführt und somit empfindlich geschwächt zu haben. Muslime würden nichts weiter als den Qurʾān und sie sunna benötigen. Philosophien würden kommen und gehen, doch das Buch Gottes bleibe auf ewig.1

Es ist schon interessant, dass sich Muslime stets auf die kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit ihrer Zivilisation besinnen, jedoch wird dabei unterschlagen, dass dieses der intellektuellen Liberalität und den Philosophen geschuldet war.

Ideologen wie Yassine, die durch ihren islamischen „Protestantismus“ wieder an dieses „goldene Zeitalter“ anknüpfen möchten, übersehen, dass sie von einem falschen Geschichtsverständnis ausgehen und somit die zivilisatorische Rückwärtsgewandtheit vieler muslimischer Länder nur weiter bestärken: „Schriftgläubigkeit und Obskurantismus sind die Schlagwörter der Stunde. Für Rationalität oder gar Philosophie scheint in diesem Bild kein Platz zu sein. Gleichwohl ist es unbestreitbar, dass dieselbe [islamische] Welt vor nicht allzu langer Zeit ganz anders wahrgenommen wurde. Da war häufig von Kultur, von Philosophie, von Avicenna und Averroes die Rede: mithin von einer Tradition, die nur als Entfaltung höchster Rationalität verständlich ist“2, so der Islamwissenschaftler Ulrich Rudolph. Die Buchreihe zur islamischen Philosophie hat sich vorgenommen, die philosophische Tradition im Islam multiperspektivisch darzustellen und ihre Entwicklung zu skizzieren.

Der nun vorliegende dritte Band knüpft an den Siegeszug der falsafa, der islamisierten neuplatonischen Philosophie, an, wie sie von Al-Farabi definiert wurde. Der Leser wird eingeführt in die Blütezeit der falsafa, die geprägt wurde von Namen wie Al-Biruni, Ibn Sina, Ibn Al-Haitham, Umar Khayyam oder dem Bund der Lauteren Brüder. Begleitet wird diese Epoche von der zunehmenden Fragmentierung des abbasidischen Reiches in de facto relativ autonome Kleinreiche. Diese zunehmende Instabilität wird letztlich zu politischen Erosionen und einer geistigen Gegenrevolution führen – die aber Gegenstand der vierten Bandes werden soll.

Im Namen von Murad Hofman und mir gilt unser ausdrücklicher Dank Prof. Dr. Merdan Güneş, Prof. Dr. Hamid Reza Yousefi, Dr. Sedigheh Khansari Mousavi, Dr. Detlev Quintern und Prof. Dr. Ecevit Polat für ihre herausragende Mitwirkung an diesem Band.

1 Vgl. Yassine, Abdessalam (2003): The Muslim Mind on Trial. Divine Revelation versus Secular Rationalism. Iowa City: 61-66.

2 Rudolph, Ulrich (2004): Islamische Philosophie: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München: 7.