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Titel der englischen Originalausgabe

1. Auflage

www.mantikore-verlag.de

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe

Deutschsprachige Übersetzung: Jan Enseling

VP: 258-157-01-04-0819

eISBN: 978-3-96188-092-8

Larry Niven
Jerry Pournelle

FOOTFALL

Roman

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Für Robert Gleason

Inhalt

DRAMATIS PERSONAE

PROLOG

TEIL I Die Einzelgänger

1 ENTDECKUNG

2 BEKANNTMACHUNGEN

3 FLINTRIDGE

4 BLINDE MÄUSE

5 SCHAU NUR, WIE SIE LAUFEN

6 VORBEREITUNGEN

7 GROSSE ERWARTUNGEN

8 START

9 VORAHNUNGEN

TEIL II Die Ankunft

10 ANKUNFT

11 LICHTER AM HIMMEL

12 DIE BOTSCHAFT-BRINGER

13 DER MORGEN DANACH

14 DER DAMM

15 DIE WEIZENFELDER

16 UNTERWERFUNG

17 FARMHÄUSER

18 DER KRIEG DER JAYHAWKS

19 DIE GELEHRTEN

20 RÄNKE

21 KRIEGSPLÄNE

22 ETWAS LIEGT IN DER LUFT

TEIL III Der Fuß

23 AUFRÄUMARBEITEN

24 BEGEGNUNGEN

25 DER GARTEN

26 KONFRONTATION

27 DER SITZKRIEG

28 DIE GEFANGENEN

29 EINSCHLAG

TEIL IV Die Aufstiegs-Fithp

30 FUSSABDRÜCKE

31 MAXIMALE SICHERHEIT

32 SCHLAMMBAD

33 ERZENGEL

34 DIE BARDEN

35 DIE SPEERE SÄUBERN

36 VERRAT

37 DIE EISENKRABBE

38 GEBETE

39 TEUFEL MIT SILBERNER ZUNGE

40 DEINE HEIMTÜCKE HAT EIN ENDE

41 AUSBRUCH

42 DIE MENSCHEN IN DEN WÄNDEN

43 DAMPF

44 EINSCHLAG

45 BEDINGUNGEN DER UNTERWERFUNG

Über den Autor

DRAMATIS PERSONAE

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DIE ENTDECKER

Linda Crichton GillespieDebütantin aus Washington

Jeanette Crichtonihre Schwester

Dr. Richard OwenAstronom

Dr. Mary Alice MoutonAstronomin

Major General Edmund Gillespie, USAFAstronaut

WASHINGTON

David CoffeyPräsident der Vereinigten Staaten

Mrs. Jeanne CoffeyFirst Lady

Der ehrenwerte Wesley T. DawsonKongressabgeordneter für Kalifornien

Mrs. Carlotta Trujillo Dawson

Roger BrooksSonderreporter, Washington Post

James FrantzStabschef im Weißen Haus

Henry MortonVizepräsident

Dr. Arthur HartAußenminister

Hap AylesworthSonderassistent des Präsidenten für politische Angelegenheiten

Ted GriffinVerteidigungsminister

Admiral Thorwald CarrellNationaler Sicherheitsberater

Peter McCleveGeneralstaatsanwalt

Alan RosenthalFinanzminister

Connie FullerHandelsministerin

Arnold BiggsLandwirtschaftsminister

Jack ClybourneSchutzeinheit des Präsidenten, Secret Service

DIE SOWJETS

Akademik Pawel Alexandrowitsch BondarewDirektor des Lenin-Instituts

Lorena Polinowaseine Sekretärin und Geliebte

Marina Nikolajewna Bondarewseine Ehefrau

Boris OgarkowParteisekretär am Institut

Andrej PjatigorskiStellvertretender Direktor des Lenin-Instituts

General Nikolai Nikolajewitsch NarowtschatowDritter Parteisekretär, später Erster Parteisekretär

Vorsitzender Anatoli Wladimirowitsch PetrowskiVorsitzender des Obersten Sowjets

Ilja TrusowVorsitzender des KGB

Dmitri Parfjanowitsch GruschinKGB-Beamter

Marschall Leonid Edmundowitsch SchawirinMarschall der Strategischen Langstreckenraketenstreitkräfte

ÜBERLEBENDE UND ANDERE

Harry Reddingtonarbeitsloser Barde

Jeri WilsonLeitende Redakteurin bei Harris Wickes Press

Melissa Wilson – ihre Tochter

William Adolphos Shakes

Kevin Shakes

Miranda Shakes

Isadore und Clara Leiber

George und Vicky Tate-Evans

Jack und Harriet McCauley

Martin CarnellZüchter von Schauhunden

Ken DuttonBuchhändler

Cora DonaldsonFreundin von Ken Dutton

Sarge HarrisFreund von Ken Dutton

Patsy ClevengerFreundin von Ken Dutton

Anthony GravesFreund von Ken Dutton

Maximilian RohrsGeneralunternehmer, Bellingham

Evelyn Rohrsehemalige Washingtoner Prominente

Ben LaffertySheriff, Whatcom County, Washington

Leigh YoungDeputy Sheriff

Whitey LowenthalSchweißer

Carol NorthBewohnerin von Lauren, Kansas

Rosalee PinelliBewohnerin von Lauren, Kansas

KOSMOGRAD

Oberst Arwid Pawlowitsch RogatschewKommandant der Kosmograd

Nikolaifrüherer Feldwebel der Roten Luftwaffe

Aliana Alexandrowna TuzikowaStellvertretende Kommandantin

Dr. Giselle Beaumontfranzösische Wissenschaftlerin

Der ehrenwerte Giorge N’Brunhanigerianischer Politiker

Captain John Greeley, USAFAstronaut

DIE FITHP

Herdenführer Pastempeh-Keph

Berater Fathisteh-Tulk

K’turfukephPartnerin des Herdenführers

TschaupintulkPartnerin des Beraters

FukertehSohn des Herdenführers

Angriffsführer Kuthfektil-rusp

Verteidigungsführer Tantarent-Fid

Brecher-zwei Takpusseh (später Takpusseh-Jamp)

Brecher-eins Rastupisp-Mins

Fistarteh-ThuktunPriester und Historiker

KulpulehAssistent von Fistarteh-Thuktun

PaijkurtankAssistentin von Fistarteh-Thuktun

Achter-Führer Prethiteh-Damb

TaschajampAssistentin von Takpusseh (später seine Partnerin)

Achter-Führer Tschintithpit-Mang (Schläfer)

SchreschlimangTschintithpit-Mangs Partnerin

Acht-hoch-drei-Führer Harpanet

Acht-hoch-drei-Führer Siplisteph

RaschinggithKrieger (Jahr-null-Fithp)

Birithart-JampKrieger in Afrika

PhigorunKrieger in Afrika, durch einen Speer getötet

Thiparteth-FoftWachoffizier

COLORADO SPRINGS

Sergeant Ben MaileyU.S. Army

Sherry AtkinsonGefahrenteam

Robert und Virginia AnsonGefahrenteam

Nat ReynoldsGefahrenteam

Joe RansomGefahrenteam

Wade und Jane CurtisGefahrenteam

Bob BurnhamGefahrenteam

Lieutenant General Harvey TolandU.S. Army

Der ehrenwerte Joe DaytonSprecher des Repräsentantenhauses

Senator Alexander Haswellstellvertretender Vorsitzender des Senats

Senator Raymond Carr aus Kansas

JAYHAWKS

Juana Trujillo Morgan

Lieutenant Colonel Joe Halverson

Major David MorganNationalgarde Kansas

Captain Evan LewisNationalgarde Kansas

Corporal Jimmy LewisNationalgarde Kansas

Captain George MasonNationalgarde Kansas

KRIEGER UND GEFANGENE

John WoodwardGefangener

Carrie WoodwardGefangene

Alice McLennonGefangene

Gary CapehartGefangener

Fähnrich Jeff FranklinCrewmitglied der Michael

Hamilton GambleCrewmitglied der Michael

Dr. Arthur Grace »Tiny« PelzCrewmitglied der Michael

Jason DanielsCrewmitglied der Michael

Samuel CohenCrewmitglied der Michael

Roy CulzerShuttlepilot

Jay HadleyShuttlepilot

Commander Anton VillarsKapitän der USNS Ethan Allen

Colonel Julius CarterU.S. Special Forces

Lieutenant Jack CarruthersU.S. Special Forces

Leutnant Iwan Semejusowsowjetisches Expeditionskorps

Brant Chisholmsüdafrikanischer Bauer

Mvubi – Zulukrieger

Niklaus van der StelAfrikander-Kommandotruppe

PROLOG

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Wo sind sie?

– Enrico Fermi

DER FÜNFTE TEIL DES DRITTEN JAHRES

Innerhalb der breiten Anordnung seiner verschachtelten Ringe war der Planet ein siedender Sturm. Es war schon immer so gewesen. In Streifen und Schnörkeln verfolgten die Muster einander über die braun-braune Oberfläche. Der Raum darum herum war vor Aktivität aufgewühlt: Milliarden von Eispartikeln in einer breiten Anordnung verschachtelter Ringe, acht Monde, Bänder aus Staub, die von starken Magnetfeldern umhergepeitscht wurden – alles wirbelte mit erschreckender Geschwindigkeit herum, mit mehreren Makasrupkithp pro Atemzug. Die Botschaft-Bringer manövrierte durch diesen Sturm.

Der Berater des Herdenführers, der andächtig durch die dicken Doppelscheiben blickte, schien nur die Schönheit der Szenerie zu bemerken.

Der Herdenführer fand das irritierend. Seine eigene Domäne umfasste Kollisionen, Industrieoperationen, interne Streitigkeiten und die friedliche Integration von Schläfern mit Sterngeborenen. Er hatte schon genug Probleme ohne … das.

Das Hauptteleskop der Botschaft-Bringer kam jeder astronomischen Installation der Welt gleich, die sie zurückgelassen hatten. Nach astronomischen Standards war die fremde Sonde jetzt nahe, und auf dem Bildschirm war sie in allen Einzelheiten ausgezeichnet zu sehen.

Eine kreisrunde Antenne. Eine Kapsel an der Spitze eines langen Auslegers verströmte Infrarotwärme. Das musste die Energiezufuhr sein. Zwei weitere Ausleger fuhren Instrumente aus. Umschließe deine Zehen mit meinen, auf dass ich deine Herde kenne! An einer Verlängerung hing etwas, was Kameras sein mussten, an der anderen so etwas wie ein elektronisches Abtastgerät.

Vierundsechzig Schläfer, die Gruppe des Brechers, arbeiteten nun daran, was sie konnten, über die Geschöpfe zu schlussfolgern, die diese Maschine gebaut hatten. Sie hatten dem Herdenführer nichts Nützliches mitgeteilt. Als die Kameraplattform sich zu drehen begann, ließ der Herdenführer rastlos seine Zehen spielen.

»Du hast deine Entscheidung vor einem halben Jahr getroffen«, sagte der Berater bedächtig. »Du hast es damals nicht zerstört. Wie kannst du es jetzt zerstören?«

»An dieser Stelle muss ihre schwache Spionagesonde durch Trümmer hindurch, die sich in einer ständigen Umlaufbahn befinden. Sie muss Kollisionen, Strahlung, Orbitalfluktuationen und jegliche schemenhaften Gefahren überstehen, die die Beute sich vielleicht vorstellt. Hier ist es am ehesten möglich, dass sie durch ein Missgeschick zertrümmert wird!«

»Wir sind übereingekommen, dass die Sonde keine Spuren von uns finden wird. Die Botschaft-Bringer ist auf diesem Maßstab winzig. Diese Sonde sucht sicher nicht nach uns: Sie wurde vor unserer Ankunft gestartet. Aber wenn es irgendetwas zu sehen gibt, dann hat die Kamera dort drüben es bereits wahrgenommen. Einige Nachweise unserer Gegenwart, anschaulich in ihren Empfängern … und jetzt kommt es zu einem grellen Blitz, dann Schweigen seitens der Sonde, und zwar für immer. Würde das deine Zweifel wecken?«

»Wenn du Herdenführer wärst, würdest du dir weiterhin Sorgen machen?« Das war grausam. Am Anfang aller Dinge war Fathisteh-Tulk Herdenführer gewesen. Er war in seinen Todesschlaf verfallen und hatte erwartet, erneut Herdenführer zu werden. In seiner derzeitigen untergeordneten Position schienen die Anliegen eines Herdenführers ihn überhaupt nicht zu stören. Manchmal fragte sich Herdenführer Pastempeh-Keph, ob er verspottet wurde.

»Wäre ich Herdenführer«, sagte der Berater ruhig, »würde ich es so gemacht haben wie du. Bleibe still, während die Sonde hindurchfliegt. Versuche nicht, das Schiff zu bewegen, schicke keine Nachrichten an unsere Arbeitskräfte auf dem Fuß. Lasse die Sonde vorbei. Sobald die zweite Sonde eintrifft, werden wir auf dem Fuß etabliert sein. Sollen sie nur versuchen, uns gegen einen unbekannten Hintergrund zu unterscheiden.«

Daraufhin wandte er sich, womöglich demonstrativ, von dem Teleskopschirm ab, um auf die große Welt mit den braunen Mustern und ihren breiten Ringen zu blicken.

Der Herdenführer sagte: »Ich mache mir Sorgen. Die Beutewesen müssen im Verlauf ihrer Geschichte häufig dieses … diesen protzigen Schmuck am Himmel studiert haben. Nach weniger als einem Jahr müssten sie besser wissen, was sie zu erwarten haben, als wir. Was haben wir übersehen?«

Außerhalb des breiten Hauptringsystems strudelte ein schmalerer Ring weiterhin in der Heckwelle des Antriebs der Botschaft-Bringer.

NOVEMBER 1980

Als sie das Tor schloss und, ohne nachzudenken, einen Papierfetzen aufhob, der in den Hof geweht worden war, wurde Linda Gillespie klar, dass sie dieses Haus – ein typisches entwickeltes Terrassenhaus in Kalifornien – allmählich als Heim betrachtete. Es wäre dann nach ihrer Heirat das zweite Heim. Davor hatte es drei andere Häuser gegeben, in denen sie nicht lange genug gewohnt hatten, um sie überhaupt als ein Heim zu betrachten. Fünf Umzüge innerhalb von vier Jahren. Die Air Force war ein mobiler Dienst, insbesondere für angesagte Kampfpiloten. Am besten war es in Texas gewesen, als Edmund beim Astronautenamt gewesen war und sie in El Lago gewohnt hatten.

Aber das hier konnte eigentlich kein Heim sein. Es war nur ein gemietetes Haus, ein Wohnort während Edmunds Tour bei der Space and Missile Systems Organization in Los Angeles. Da er nun als Shuttlepilot eingeteilt worden war, würden sie wieder umziehen. Zurück nach Houston! Das wäre schön. In Houston bekamen Astronauten und ihre Familien wirklich die beste Behandlung.

Es war ein düsterer Novembermorgen in Los Angeles, dessen Kälte sie sogar durch ihren Kaschmirpullover spürte, mit niedrig hängenden Wolken und Nebel. Die Luft roch feucht, mit einer Spur von Rauch. Es gab keinen Sonnenschein, der würde aber mittags kommen. Schön war es draußen nicht.

Innen war es besser. Sie goss sich Kaffee ein und setzte sich an den Küchentisch. Zu früh für einen Anruf von Ed. Er würde sowieso nicht anrufen. Das tat er nie, wenn er nicht in der Stadt war. Es ist ja schön und gut, mit einem Helden und Astronauten verheiratet zu sein, aber es wäre auch gut, gelegentlich einen Ehemann zu Hause zu haben. Die Los Angeles Times lag auf dem Tisch, und sie blätterte darin.

Sie mochte es nicht, alleine daheim zu sein, aber sie wollte auch nirgendwo hingehen. Ed könnte ihr versichern, dass sie vollkommen sicher war, viel sicherer als in Washington, wo sie aufgewachsen war, und sie könnte ihm glauben – aber sie kannte Washington, Los Angeles dagegen war ihr ein Rätsel. Ein Kolumnist aus San Francisco stichelte dauernd, dass Los Angeles unsichtbar wäre.

Dann gab es da den »Hollywood Strangler«, und ein Mann, der angeblich der »Freeway Killer« war, stand wegen der Vergewaltigung und des Mordes an einem Dutzend Jungen vor Gericht. Ein toller Ort, um Kinder großzuziehen. Sie faltete die Zeitung zusammen.

Zeit, den Küchenboden zu bohnern, entschied sie. Ed war es eigentlich egal, aber nächste Woche würde sein vorgesetzter Colonel zum Abendessen kommen, und Colonel McReadys Frau schnüffelte gerne herum. Außerdem war es nicht so schwer, den Boden zu wischen.

Ed würde das nicht gefallen. Nicht jetzt. Sie grinste und blickte auf ihren Bauch hinunter. War kein bisschen zu sehen. Ihr war auch nicht übel, und wären da nicht die übersprungenen Perioden und die Ärzteberichte gewesen, hätte es keinen Grund gegeben zu vermuten, sie wäre schwanger. Ed behandelte sie trotzdem so, als bestünde sie aus Dresdner Porzellan. Er trug den Müll raus, machte alle schweren Arbeiten und machte sich Sorgen, dass er ihr beim Sex wehtat.

Bei diesem Gedanken runzelte sie die Stirn. Ed wurde ganz schnulzig wegen ihrer Schwangerschaft, aber das turnte ihn ab! Vielleicht verliere ich ja in einem Monat oder so das Interesse. Ich hoffe es, so wie er sich benimmt.

Linda goss sich mehr Kaffee ein. Das Telefon klingelte und erschreckte sie dermaßen, dass sie die Tasse fallen ließ. Sie bestand aus Corningware und brach nicht, schlug jedoch laut auf dem Boden auf und verspritzte den Kaffee überallhin.

»Hallo?«

»Linda?«

»Ja?«

»Meine Güte, du bist es wirklich! Hier ist Roger.«

»Oh. Wie geht es dir, Roger?«

»Großartig. Schön, dass du mich nicht vergessen hast.«

»Nein, ich hab dich nicht vergessen.«

Das erste Mal vergisst man nicht, dachte sie. Die erste Liebe, die erste Erfahrung mit Sex, das erste … viele erste Male mit Roger damals in der Highschool und danach. Und was soll ich ihm sagen? Dass er lange nicht angerufen hat, es aber in Ordnung ist, weil ich es nicht wollte? »Roger, woher hast du unsere Nummer?«

»Wir Journalisten haben da unsere Möglichkeiten. He, ich würde dich gerne treffen. Wie wäre es mit einem wirklich ungewöhnlichen Erlebnis?«

Sie kicherte. »Roger, ich bin eine verheiratete Frau.«

»Klar. Glücklich?«

»Ja, natürlich …«

»Gut. Gut für dich und Edmund jedenfalls. Was mir vorschwebt, liegt sowieso auf Eds Linie. JPL. Die Saturn-Begegnung. Die Voyager ist da draußen und macht Bilder, die niemand versteht, und wir können sie aus erster Hand sehen.« Er hielt einen Augenblick inne. »Es ist so. Ich bin hier in Los Angeles wegen der Saturn-Story. Nicht gerade Material für den Pulitzer-Preis, aber ich habe den Auftrag angenommen, um eine Weile aus Washington wegzukommen. Also bin ich hier draußen im Jet Propulsion Laboratory, wo die Bilder reinkommen. Wir kriegen aktuelle Infos von den Wissenschaftlern, hier treiben sich Science-Fiction-Autoren herum, und alles ist eine echt krasse Show. Ich kann dich auf dem Weg hin abholen, du wohnst fast auf der Strecke. Ich bringe dich vor dem Abendessen zurück und verspreche, dass ich nicht versuchen werde, dich zu verführen.«

Und Ed war eine Woche weg. »Klingt verführerisch. Wirklich, aber ich kann nicht.«

»Natürlich kannst du.«

»Roger, meine Schwester ist hier …«

»Na und? Ich bringe dich vor dem Abendessen heim.«

Linda dachte darüber nach. Jenny trieb sich den Tag über irgendwo herum. Bilder vom Saturn. Journalisten. Könnte Spaß machen. »Du hast was von Science-Fiction-Autoren gesagt. Ist Nat Reynolds dort?«

»Ja, glaube schon. Eine Sekunde, es gibt eine Liste … Ja, da ist er. Kennst du ihn?«

»Nein, aber Edmund mag seine Bücher. Ich hab ihm eins zum Geburtstag geschenkt. Glaubst du, ich könnte es signieren lassen?«

»Für die Frau eines Astronauten? Teufel auch, diese Sci-Fi-Typen werden sich darum reißen, dich zu treffen.«

Nat Reynolds hatte einen Kater, und es war viel zu früh, um wach zu sein. Es war ein Wunder, dass er es den Arroyo hinauf, auf den Parkplatz des Jet Propulsion Laboratory und es geschafft hatte, den Porsche in die schmale Lücke zu lenken, die ihm der Wachmann von JPL gezeigt hatte. Eine halbe Meile weit parkten Autos entlang der Straße, die zu der Stelle führte, wo das JPL in dem einst einsamen Arroyo eingebettet war.

Die Straße unmittelbar vor dem Pressezentrum war von Übertragungswagen beinahe versperrt, und ein dickes Netz aus Kabeln überspannte den Bürgersteig und verschwand in den offenen Einbautüren. Das Pressekorps war schlagkräftig aufgefahren und brachte beinahe so viele Kameras und Mitarbeiter mit wie zu einem Tatort, an dem gerade ein Banküberfall im Gange war.

Das Van-Karman-Auditorium war ein Irrenhaus. Auf fast jedem Quadratzentimeter stand jemand: Wissenschaftler, Öffentlichkeitsarbeiter, Pressekorpsmitarbeiter, von denen die meisten Kaffeetassen in der Hand hielten oder wuchtige Gegenstände hielten.

Das Pressekorps war geteilt. Es gab die arbeitenden Journalisten und die Science-Fiction-Autoren, und es bestand kein Zweifel daran, wer nun wer war. Die Presseleute waren da, um zu arbeiten. Manche amüsierten sich, aber alle hatten Fristen. Die SF-Typen waren dort, um zu glotzen, Teil der Szene zu sein und die Atmosphäre in sich aufzunehmen, und vielleicht würde eines Tages eine Geschichte daraus entstehen oder auch nicht. Ihre Welt wurde geschaffen, und sie waren hier, um zuzusehen, wie sie entstand.

Das ist der Saturn!

Große Fernsehbildschirme zeigten Bilder, als sie vor die Voyager kamen. Alle paar Minuten wechselte die Ansicht. Ein nahes Bild des Planeten, schwarz-weiße Strömungslinien und Wirbel. Ringe, Hunderte von ihnen, wie in einer Nahaufnahme einer Schallplatte. Wieder der Saturn, in Farbe, mit seinen Ringen in einem weiten Winkel. Abschnitte der Ringe Großaufnahme. Schnappschüsse der Monde. All das kam gerade herein, sodass die Presseleute es gleichzeitig mit den Wissenschaftlern sahen.

Beim Vorbeiflug am Jupiter waren die Bilder schneller gekommen, in lebhaften Wirbeln und endlosen Stürmen, Gott, der sich mit einem Luftpinsel amüsierte, und vier Monde, die sich als ganz eigene Welten herausstellten. Zum Ausgleich aber sahen sie schon bald den Titan, von dem bekannt war, dass er eine Atmosphäre besaß. Sagan und die anderen Wissenschaftler sagten nicht, dass sie Hoffnung hatten, auf dem Titan Leben zu finden – aber sie waren mit Sicherheit an dem Riesenmond interessiert, der bisher enttäuschend nichtssagend gewesen war.

Die Anzeige veränderte sich, und einen Moment lang versiegte das Gemurmel im Raum. Ein Mond wie ein riesiger Augapfel: ein gigantischer Krater mit den Proportionen einer Iris, mit einem mittig gelegenen Gipfel als Pupille. Etwas Größeres, dachte Nat, hätte den gesamten Mond in Stücke gerissen. Er hörte eine weibliche Stimme sagen: »Tja, wir haben den Todesstern lokalisiert«, und er grinste, ohne sich umzudrehen.

Was denken die Nachrichtenleute wohl über uns? Er konnte sich ausmalen, wie er aussah: das idiotische Grinsen, den Mund leicht geöffnet, wie er die Reihen der Bildschirme entlangging, ohne zu gucken, wo er hintrat, und über die Kabel stolperte … Nat war es ziemlich egal. Ein Bildschirm schaltete um und zeigte etwas wie ein trockenes Flussbett oder drei verflochtene Rauchfahnen oder … F-Ring stand auf dem Ausdruck. Nat sagte: »Was zur Hölle …«

»Das wüsstest du, wenn du gestern Nacht hier gewesen wärst.«

»Muss ja ein bisschen Schlaf kriegen.« Nat musste sich nicht umdrehen. Mit Wade Curtis hatte er zwei Bücher geschrieben und erwartete, dass er diese Stimme in der Hölle wiedererkennen würde, wenn sie ihren Ausbruch planten. Wade Curtis sprach, als hätte er einen hochgedrehten Verstärker in der Kehle. Das lag zum einen an seiner Militärausbildung und zum anderen an seiner Taubheit, die er sich als Artillerieoffizier zugezogen hatte.

Er neigte auch dazu, Vorträge zu halten. »F-Ring«, sagte er. »Du weißt schon: wie A-, B-, C-Ringe, nur dass sie nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung benannt werden, nicht nach dem Abstand vom Planeten, also ist das gesamte System durcheinander. Der F-Ring ist derjenige knapp außerhalb der großen Ansammlung von Ringen. Er ist dünn. Niemand hat ihn bemerkt, bis die Weltraumsonden rausgeflogen sind, und sogar da bekam die Pioneer kein besonders gutes Bild.«

Nat hob die Hand. Ich weiß, ich weiß, besagte die Geste. Curtis zuckte die Achseln und wurde still.

Der F-Ring sah aber nicht gewöhnlich aus. Er zeigte sich als drei verknotete Luftschlangen aus Gas, Staub oder weiß Gott was, die miteinander verflochten waren. »Verflochten«, sagte Nat. »Wie kommt das?«

»Wollte keiner der Astronomen sagen.«

»Okay, ich kann verstehen, warum. Wenn man bei mir einen Fehler findet, kann ich das abtun. Ein Wissenschaftler setzt seine Karriere aufs Spiel.«

»Klar. Nun, ich keine kein physikalisches Gesetz, das so etwas zulassen würde!«

Nat auch nicht. Er fragte: »Was ist los? Hast du noch nie drei Regenwürmern beim Liebesspiel zugesehen?«, und akzeptierte Wades anerkennendes Kichern als Gegenleistung. »Ich hätte Angst, darüber zu schreiben. Jemand hat es bestimmt erklärt, bevor ich die Geschichte in den Druck kriege.«

Die Pressekonferenz würde gleich beginnen. Die Kameramannschaft von JPL machte die Geräte bereit, um die Pressekonferenz über das gesamte Laborgelände zu übertragen, und eine der Damen der Öffentlichkeitsarbeit ging durch den Konferenzsaal und schaltete die Bildschirme ab.

»Hm. Da kommt immer noch interessantes Zeug rein«, sagte Curtis. »Und es gibt keine Plätze mehr. Ich hatte ein paar, hab sie aber der Washington Post gegeben. Und auch in vorderster Reihe.«

»Dumm gelaufen«, sagte Nat. »Ach, zum Teufel, schauen wir uns die Konferenz beim Empfang an. Jilly ist schon draußen.«

Am Morgen des 12. November 1980 war der Presseraum des Jet Propulsion Laboratory ein einziges Gewirr aus Videoausrüstung und stoßenden Ellenbogen. Roger und Linda waren früh da gewesen, aber nicht früh genug, um Plätze zu bekommen. Ein Science-Fiction-Autor in einer Buschjacke gab ihnen seinen Platz, den zweiten von rechts in der vordersten Reihe.

»Sicher, dass das in Ordnung ist?«, fragte Roger.

Der Sci-Fi-Schreiber zuckte die Achseln. »Sie brauchen den Platz eher als ich. Sagen Sie dem Kongress einfach, dass das Weltraumprogramm wichtig ist, mehr verlange ich nicht.«

Roger dankte dem Mann und setzte sich. Linda Gillespie steckte neben dem lebensgroßen Modell des Raumfahrzeugs fest und wehrte einen weiteren Reporter ab, der versuchte, sie zu interviewen: Wie es sich angefühlt habe, auf der Erde zurückgelassen zu werden, während ihr Ehemann an Bord von Skylab sei.

Sie sah großartig aus. Er hatte sie nicht mehr gesehen seit … seit wann? Nur zweimal, seit sie Edmund geheiratet hatte. Und natürlich war er bei ihrer Hochzeit dabei gewesen. Lindas Mutter hatte geweint. Hätte selbst fast geweint, verdammt!, dachte Roger. Wie ist es gekommen, dass ich sie nicht mehr auf dem Schirm hatte? Aber ich war ja nicht bereit, sie selbst zu heiraten. Vielleicht hätte ich es tun sollen …

Und vielleicht bin ich einfach weich geworden wegen der Dinge, die vor vier Jahren passiert sind. Es ist einfach, sich an die guten Zeiten zu erinnern. Sich unbehaglich fühlend, rutschte er hin und her. Die Zeiten waren gut gewesen. Er betrachtete sie aus den Augenwinkeln, aber sie blickte auf das Modell. Es war ohnehin am besten, wenn er die Sache vergaß.

Das Problem war, dass er keine Story bekam, die er verstehen konnte. Die Leute waren aufgeregt, sagten aber nicht, warum. Die üblichen Wissenschaftsjournalisten erzählten nichts. Sie alle kannten einander, und bei Großereignissen wie diesem hatten sie ungern Außenstehende dabei.

Roger kritzelte vor sich hin, blickte auf, als jemand einen Gruß rief, und hoffte, dass niemand seine Aufmerksamkeit wollte. Er hatte nicht um diesen Auftrag gebeten.

Er hörte: »Hast du noch nie drei Regenwürmern beim Liebesspiel zugesehen?«, und blickte in die Richtung. Eine Gruppe aus Science-Fiction-Autoren stand unter einem Bildschirm, der … ja, drei Regenwürmer beim Liebesspiel zeigte oder ein schlechtes Foto von Spaghetti, die ungegessen auf einem Teller lagen, oder einfach Störungen. Er schrieb: »F-Ring: drei verliebte Regenwürmer«, und klopfte Linda auf die Schulter. »Linda? Kannst du mir den Platz freihalten?«

»Wo gehst du hin?«

»Vielleicht kriege ich was aus den Science-Fiction-Schreibern raus.« Niemand sonst versuchte es – möglich, dass er dadurch einen neuen Ansatz bekam. Wenigstens redeten sie Englisch.

»Sieht aus, als wenn’s gleich losgeht.«

Frank Bristow, der Leiter der Nachrichtenabteilung bei JPL, hatte seinen Platz am Podium eingenommen. Roger war ihm kurz begegnet, als er sich eingetragen hatte. Die regulären Mitglieder des Pressekorps schienen ihn ebenso zu kennen wie einander. Roger kannte niemanden.

Bristow würde gleich seine Eröffnungsrede halten. Der Voyager-Projektmanager und vier Astrophysiker nahmen ihre Plätze an einem erhöht stehenden Tisch ein. Brooks setzte sich wieder. Er wünschte, er wäre woanders.

Roger Brooks ging auf die dreißig zu, und es gefiel ihm nicht. Es gab Versuchungen in seinem Job: zu viel Futter und Alk gratis. Er achtete darauf, seinen Muskeltonus beizubehalten, wenn auch nicht seinen Lebensstil. Sein glattes, blondes Haar fing an auszudünnen, und das machte ihm ein wenig Sorgen, aber sein Kinn war immer noch wie gemeißelt und ohne die Aufweichung, die er bei seinen Freunden sah. Er hatte vor drei Jahren das Rauchen aufgegeben, von jetzt auf gleich, und litt nun unter schrecklichen Entzugserscheinungen. Seine Zähne waren wieder weiß, aber die Narben zwischen dem Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand würden niemals verschwinden. In einer Nacht in Vietnam war er betrunken gewesen, und eine Zigarette hatte sich dort eingebrannt.

Roger Brooks war gerade alt genug gewesen, um die letzten hektischen Tage in Vietnam mitzuerleben, aber er war zu spät dran gewesen, um irgendetwas Saftiges zu kriegen. Er hatte Watergate verpasst: Seine Vermutungen waren richtig gewesen, er aber zu grün hinter den Ohren, um ihnen nachzugehen. Andere Journalisten bekamen ihre Pulitzer-Preise.

Danach hatte sich etwas in ihm verändert. Es war, als läge irgendwo ein Geheimnis, das ihn lockte. Kleine Aufträge interessierten ihn kaum.

»Er hat schon eine Chance verpasst, von Robert Redford gespielt zu werden«, hatte er eine seiner Damen sagen hören. »Er wird keine weitere verpassen.«

Dies hier war ein kleiner Auftrag. Er fragte sich, ob er ihn hätte annehmen sollen, selbst für die Möglichkeit, nach Kalifornien zu kommen, auch wenn die Hälfte der Mitarbeiter der Washingtoner Nachrichtenagenturen für diese Chance sich ein Bein ausgerissen hätte. Aber niemand hier hütete irgendwelche Geheimnisse. Was auch immer Voyager 1 ihnen zeigte, sie würden es in die Welt hinausschreien und bis zum Mond, wenn sie könnten. Der Trick war, sie zu verstehen.

Vielleicht keine großartige Story, aber der Trip war es wert. Sein Blick fiel auf Linda und er dachte: Definitiv den Trip wert. Er rutschte unbehaglich hin und her, als die alten Erinnerungen zurückkamen. Sie waren so unerfahren gewesen! Aber sie hatten dazugelernt, und kein Sex war jemals wieder so gut gewesen wie die Erinnerung an das letzte Mal mit Linda. Möglicherweise hatte er die Erinnerung angepasst. Möglicherweise nicht. Ich muss aufhören, darüber nachzudenken! Das fällt auf … Zur Hölle, worüber soll ich denn schreiben?

Eine weitere Gruppe sammelte sich unter dem originalgetreuen Modell des Voyager-Raumschiffs. Das mussten Wissenschaftler sein, denn die meisten waren Männer und alle trugen Anzug. Ein paar Science-Fiction-Autoren standen bei ihnen, eher wie Kollegen als Presse. Kein Journalist tat so etwas. Wäre das ein interessanter Ansatz? Die Sci-Fi-Leute taten nicht so, als wären sie neutral. Sie waren Enthusiasten, und es war ihnen egal, wer davon wusste, während die Reporter versuchten, die selbstgefällige Aura der Unbefangenheit auszustrahlen.

Die Besprechung begann. Der Programmdirektor sprach über das Raumschiff. Details der Mission, das Raumfahrzeug machte seine Sache gut. Ein paar Daten verloren gegangen, weil es in Spanien regnete, wo die Hochleistungsantennen standen … War das ein Witz? Nein, niemand lachte.

»Drei Milliarden Meilen weit weg, und sie bekommen Bilder rein«, sagte jemand rechts von ihm. Eine hübsche junge Frau: lange Beine, schmale Knöchel, kurz geschnittene Haare. Auf dem Namensschild stand Jeri Wilson von irgendeinem Geologie-Magazin. Ehering, aber das musste nichts bedeuten. Konnte sein, dass sie den Rest der Woche hier war. Sie schien allein zu sein.

Die Missionsplaner verließen das Podium, woraufhin die Wissenschaftler, Brad Smith und Ed Stone und Carl Sagan, nach oben gingen, um zu berichten, was sie darüber dachten, was sie gerade erfuhren. Roger hörte zu und versuchte, sich eine interessante Frage auszudenken. In solchen Situationen war es das Wichtigste, sich für spätere Bezugnahme bemerkbar zu machen, und dann zu versuchen, ein Exklusivinterview zu bekommen. Er notierte sich ein paar nützliche Sätze:

»Neue Monde werden schon bald sehr langweilig.«

»Nicht Dutzende Ringe. Hunderte. Wir zählen noch.« Lange Pause. »Manche sind exzentrisch.«

»Was heißt das?«, flüsterte jemand.

Der Sci-Fi-Kollege in der khakifarbenen Buschjacke antwortete mit einem Tonfall, den er wahrscheinlich für ein Flüstern hielt. »Die Ringe sollten vollkommene Kreise sein, mit dem Saturn im Zentrum. Alle Theorien besagen, dass sie es sein müssen. Jetzt haben sie welche gefunden, die keine Kreise sind, sondern Ellipsen.«

Andere Wissenschaftler sprachen:

»… Könnte der größte Krater im Sonnensystem im Verhältnis zu dem Himmelskörper sein, auf dem er liegt …«

»Es gibt keinen Janus. Wo wir dachten, wo Janus ist, gibt es zwei Monde. Sie teilen sich dieselbe Umlaufbahn, und bei jedem Vorbeiflug tauschen sie den Platz. Das ist eine Prüfungsfrage wie aus dem Lehrbuch für Himmelsmechanik. Es ist nur so, dass wir so etwas niemals im echten Universum gefunden haben …«

Brooks notierte sich die Details dazu: Das war definitiv eine Erwähnung wert. Janus war der Mond, der nach dem zweigesichtigen Gott der Anfänge benannt war!

Das flüsterte er Linda zu und erntete ein zustimmendes Nicken. Die Wilson-Frau schrieb auch etwas auf.

»Die Radialspeichen in den Ringen scheinen von winzigen Partikeln herzurühren, die ungefähr die Größe einer Wellenlänge des Lichts haben. Außerdem scheint der Prozess über den Ringen vor sich zu gehen, nicht in ihnen.« Radialspeichen in den Ringen! Sie müssten auftauchen, während die Ringe sich drehten, denn die inneren Ringe bewegten sich schneller als die äußeren. Seltsame Neuigkeiten von überall im Saturn-System. Manche von Brooks’ Kollegen würden die Erklärungen verstehen, wenn diese denn kamen …

Trotzdem bot die Pressekonferenz mehr, als Brooks erwartet hatte. Er hatte bereits Wissenschaftler interviewt. Der Mangel an Antworten war das Interessante hieran.

»Wir haben keine Ahnung, was das bedeutet.«

»Wir können noch keine Aussage treffen.«

»Je mehr wir durch Voyager erfahren, desto weniger wissen wir über Ringe.«

»Wenn wir die Zahlen ein bisschen drehen, können wir ziemlich gut erklären, warum die Cassinische Teilung so viel größer ist, als sie sein sollte.« Dramatische Pause. »Natürlich erklärt das nicht, warum sich darin fünf undeutliche Ringe befinden!«

»Wenn ich eine Liste von den Dingen machen müsste, die wir nicht zu sehen erwarten, dann stünden exzentrischen Ringe ganz oben.«

»Brad, was ist mit geflochtenen Ringen?«

»Die würden weit über dem Papier stehen.«

Alle Anwesenden sahen glücklich aus, wie Brooks bemerkte. Hier ging etwas Amüsantes vor. Wenn Brooks nicht den Hintergrund hatte, es zu genießen, wer dann?

Ein Journalist fragte: »Haben Sie noch mehr über die Radialspeichen? Ich dachte, die würden gegen die Gesetze der Physik verstoßen?«

David Morrison aus Hawaii antwortete: »Ich bin sicher, dass die Ringe alles richtig machen. Wir verstehen es nur noch nicht.« Brooks schrieb es auf.

»Wo ich sein will«, sagte Roger, »ist in einem Hotelzimmer mit dir.« Sie machten einen Spaziergang über das Gelände: Rasen, Springbrunnen, vage orientalisch anmutende Steingärten, eine Brücke, alles sehr hübsch.

»Das ist Jahre her«, sagte Linda. »Und das alles ist vorbei.«

»Sicher?«

»Ja, Roger, ich bin sicher. Jetzt sei brav. Du hast es versprochen. Ich will nicht, dass es mir leidtut, dass ich mit dir mitgegangen bin.«

»Nein, natürlich wird es das nicht«, sagte Roger. »Es ist wirklich schön, dich wiederzusehen. Und ich bin froh, dass du mit Edmund glücklich bist.«

Bist du das?, fragte sich Linda. Und bin ich es? Natürlich bin ich es. Ich bin sehr glücklich mit Edmund. Nur wenn er weggeht und es mir überlässt, mich um alles zu kümmern, und ich die ganze Zeit alleine bin und diese gottverdammten romantische Parfumwerbungen und so was sehe, dass ich wegen Major Edmund Gillespie unglücklich werde. Ich frage mich, ob die Feministinnen uns damit einen Gefallen getan haben, dass wir zugeben können, dass wir ebenso geil werden wie Männer.

Sie grinste breit.

»Was?«, wollte Roger wissen.

»Nichts.« Nichts, was ich dir erzählen würde. Aber es ist gut zu wissen, dass ich etwas Gesellschaft haben könnte, wenn ich wollte …

Das Mittagessen fand in der Cafeteria des JPL statt. Roger und Linda wurden an den Tisch der Science-Fiction-Autoren eingeladen, aber die Schriftsteller wussten auch nicht mehr als Roger. Sie amüsierten sich damit, keine Ahnung zu haben.

Jemand schob einen Cartoon über den Tisch. Er zeigte, wie entweder der Todesstern aus Star Wars oder der Saturn-Mond Mimas auf einer Seite hing, mit dem riesigen Saturn im Hintergrund. Im Vordergrund benutzte ein Raumfahrzeug seine mechanischen Arme, um in den F-Ring zu einem Zopf zu flechten. Die Bildunterschrift lautete: »Sie haben einen üblen Sinn für Humor, Darth Vader.«

Ein weiterer Autor blickte auf und gähnte. »Ach, nur ein weiteres, gottverdammt spektakuläres Bild vom Saturn.« Das brachte ihm anerkennendes Gelächter ein. Aber niemand wusste etwas, was das Mittagessen zu einer frustrierenden Angelegenheit machte. Der Saturn hatte vielleicht seine Geheimnisse, aber er verriet sie nicht, und die Schriftsteller konnten sich keinen logischen Reim auf die merkwürdigen Bilder machen.

Als das Mittagessen halb herum war, rief Linda jemanden. »Wes. Wir haben nicht erwartet, dich hier zu sehen …«

Er war ein schlanker, athletischer Mann, der eine ausgeblichene Baseballmütze trug. Linda stellte ihn den Anwesenden am Tisch vor. »Wes hat Carlotta geheiratet«, sagte sie zu Roger. »Du erinnerst dich doch an Carlotta. In der Schule war sie meine beste Freundin …«

»Sicher doch«, sagte Roger. »Wie geht es Ihnen?«

Einer der Autoren sah nachdenklich drein. »Wes Dawson … Sie kandidieren für Craig Hosmers alten Sitz.«

»Richtig.«

»Wes war immer für das Weltraumprogramm«, sagte Linda. »Vielleicht wollt ihr ihm ja eure Stimme geben …«

»Nicht unser Bezirk«, sagte Wade Curtis. »Wir wohnen nördlich von hier. Aber möglicherweise können wir helfen. Wir sind immer an Leuten interessiert, die Weltraumreisen vorantreiben.«

Als sie zum Haus zurückkamen, war es später Nachmittag. Roger parkte in der Einfahrt.

»Du kannst auch reinkommen und Jenny Hallo sagen«, sagte Linda. »Erinnerst du dich an sie?«

»Na klar erinnere ich mich an die Göre. Ich musste sie bestechen, damit sie uns alleine lässt …«

»Na ja, sie ist etwas erwachsener geworden.« Linda führte ihn zum Haus und schloss die Tür auf. Im Inneren war es ungewöhnlich still. Sie ging in die Küche und fand einen Zettel, der mit einem tomatenförmigen Magneten am Kühlschrank haftete. Roger stand hinter ihr und blickte über ihre Schulter, während sie den Zettel las.

Schwesterchen: Musste runter nach San Diego. Strandparty. Charlene ist bei mir. Bin morgen zurück. Jenny.

Linda runzelte wegen der Nachricht die Stirn.

»Strandparty?«, fragte Roger.

»Sie ist Studienanfängerin an der Long Beach State. Anthropologie. Hat sich aber stark aufs Sporttauchen verlegt. Ihr derzeitiger Freund ist an der Scripps.« Linda schüttelte entgeistert den Kopf. »Mutter wird mich umbringen, wenn sie erfährt, dass ich sie zu einer Party gelassen haben, die die ganze Nacht dauert.«

Roger schüttelte den Kopf. »Die Göre geht aufs College? Mensch, Linda, sie kann doch nicht älter sein als … was, fünfzehn?«

»Siebzehn.«

Roger seufzte. »Sieht aus, als wäre es länger her, als ich dachte.«

»Ja, stimmt. Möchtest du Kaffee?«

»Sicher.«

Sie holte die Filter heraus und setzte Wasser auf. Roger hatte nichts gesagt, hatte nichts getan, aber sie spürte die Schwingungen. Hatte Jenny das geplant? Aber nein, sie wusste nicht, dass Roger in der Stadt war, und wenn, wäre sie nicht gegangen. Sie hatte Roger immer gemocht, aber sie mochte Edmund noch mehr.

Nein, Jenny hätte es nicht absichtlich so eingerichtet, dass Linda mit einem Verflossenen alleine war …

Es war lange her, aber sie erinnerte sich an jede Kleinigkeit. Eine verwöhnte Studienanfängerin an der Georgetown University ging mit einem Reporter der Washington Post aus. Sie hatte es geplant: ein gemeinsames Wochenende in der Hütte ihrer Eltern in den Appalachen. Es war Sommer gewesen und niemand gerade dort. Das Wetter in den Bergen war perfekt gewesen. Sie hatten einen wohligen Schauer der Vorfreude verspürt, während sie den gewundenen Highway hinaufgefahren waren. Das hatte sie seitdem nicht mehr gefühlt.

Edmund war anders. Edmund war auch älter und glanzvoller. Kampfpilot. Astronaut. Alles, was ein Held sein sollte. Alles, nur kein guter Liebhaber … Das ist nicht fair, überhaupt nicht fair.

Als sie Edmund kennenlernte, war Vorfreude da gewesen. Sie hielt durch das gesamte Liebeswerben hindurch – und starb in der Hochzeitsnacht.

Ich habe das alles vergessen, aber jetzt fühle ich es. Genau wie damals. Aber …

Die Kaffeemaschine war bestückt, und es gab keinen Grund, ihr länger zuzuschauen. Roger stand ganz nahe bei ihr. Sie musste nicht weit gehen, damit er sie umarmte.

TEIL I

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Die Einzelgänger

– 1 –

ENTDECKUNG

»Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, so unwahrscheinlich es auch ist, die Wahrheit sein.«

– Sherlock Holmes in Das Zeichen der Vier

COUNTDOWN: H MINUS SECHS WOCHEN

Der üppige tropische Bewuchs der Kana-Küste endete abrupt. Plötzlich verschwanden die Ranken der Passionsblumen und Palmen, und Jenny fuhr durch karge Lavafelder. »Sieht aus wie die Rückseite des Mondes«, sagte sie.

Ihr Begleiter nickte und deutete auf die Abhänge zu ihrer Rechten. »Mauna Loa. Man sagt, es bringt Unglück, wenn man etwas von der Lava mit nach Hause nimmt.«

»Wer sagt das?«

»Die Alten Hawaiianer, natürlich. Aber auch überraschend viele Touristen. Sie nehmen das Zeug mit heim und schicken es später per Post zurück.« Er zuckte die Achseln. »Unglück oder nicht, soweit man weiß, hat sie – für die Alten war Mauna Loa immer eine sie –, hat sie noch niemanden umgebracht.«

Geübt schaltete Captain Jeanette Crichton den geliehenen TR-7 herunter, als die Straße ihren steilen Aufstieg begann. Das Gelände war trügerisch. Vom Strand aus wirkten die Berge wie sanfte Anhöhen, bis man versuchte, sie hinaufzusteigen. Dann erst bemerkte man, wie hoch die Zwillingsvulkane eigentlich waren. Mauna Kea erhob sich fast 14.000 Fuß über den Meeresspiegel – und tauchte 20.000 Fuß tief bis zum Meeresgrund, sodass der Berg insgesamt größer war als der Everest.

»An der nächsten echten Straße biegst du links ab«, sagte Richard Owen. »Da ist ein Weg. Was dagegen, wenn ich etwas döse? Ist gestern Nacht spät geworden.«

»Von mir aus«, sagte sie. Sie fuhr weiter.

Nicht sehr schmeichelhaft, dachte sie. Holt mich in Kona ab, bringt mich dazu, ihn den Vulkan raufzufahren, und schläft ein. Romantisch …

Sie strich mit den Fingern durch ihr schulterlanges Haar. Es war dunkelbraun mit rötlichen Spuren und konnte im Moment nicht sehr anziehend sein, denn es war immer noch feucht, seit sie heute Morgen schwimmen gegangen war. Sie war auch nicht sehr braun geworden. Manchmal liefen ihre Sommersprossen zusammen und gaben den Anschein von Sonnenbräune, aber dafür war es noch zu früh im Frühling. Feuchte Haare, keine Bräune. Nicht wirklich das gängige Bild eines Mädchens aus Kalifornien.

Ihr Figur war ganz passabel, wenn auch etwas athletisch: Die Army ermutigte ihre Offiziere, vier Meilen pro Tag zu laufen, und das tat sie auch, obwohl sie das Erfordernis ignorieren konnte, wenn sie wollte. Der mittellange Rock und das T-Shirt brachten sie ziemlich gut zur Geltung. Trotzdem konnte es nicht ihr Aussehen sein, was sie für diesen Astronomen so attraktiv machte, nicht so sehr, wie sie von seinem Erscheinungsbild überwältigt war. Ganz gleich, vorhin hatte es schon gefunkt. Jetzt war das Gefühl fast weg.

Er war die ganze Nacht auf, dachte sie. Und heute Nacht wieder. Lass ihn schlafen. Damit sollte er in Schwung kommen. Weiß Gott, wie es bei mir wäre, wenn ich einen Zeitplan wie ein Vampir hätte.

Sie fuhren durch die sich abwechselnden Streifen aus Grasland und Lavafeldern. In unregelmäßigen Abständen hatte jemand grobe Haufen aus Lavagestein aufgeschichtet. Drei oder vier aufgestapelte Steine, jeder kleiner als der darunter, wobei der unterste vielleicht zwei Fuß durchmaß: Man hatte ihr gesagt, dies seien religiöse Gaben durch die Alten Hawaiianer. Wenn ja, dann konnten sie nicht sehr alt sein. Der Mauna Loa brach recht häufig aus, und im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts war dieses Feld bestimmt mehrfach überflutet worden.

An der Kreuzung bog sie nach links ab, und der Weg wurde noch steiler. Der TR-7 hatte alle Mühe beim Aufstieg. Hier gab es weniger frische Lavafelder. Jetzt fuhren sie an der Seite des Mauna Kea entlang. »Sie« sollte eigentlich durchgehend inaktiv sein.

Sie fuhren über endlose Meilen Viehzuchtgelände, das König Kamehameha einem britischen Seemann geschenkt hatte, der zum Freund des Königs geworden war.

Richard Owen wachte auf, als sie gerade die »vorläufige« astronomische Basisstation aus Holz erreichten. »Wir machen hier eine Pause«, sagte er. »Essen was zu Mittag.«

Viel gab es dort nicht. Eine lange, einstöckige Holzkaserne in einem Meer aus Lava und Matsch, dazu ein paar wuchernde Bäume, die versuchten, im Lavafeld zu überleben. Sie parkte neben mehreren GMC-Jimmy-Allradfahrzeugen.

»Wir könnten weiter rauffahren«, sagte sie. »Ich brauch wirklich kein Mittagessen …«

»Vorschriften. Akklimatisierung. Ganz oben sind es fast 14.000 Fuß. Ziemlich dünne Luft. Dünn genug hier auf zehntausend. Ist nicht einfach, irgendetwas zu tun, einschließlich gehen, bis man sich daran gewöhnt.«

Als sie die Kaserne aus Holzschindeln erreichten, war sie bereit, ihm zuzustimmen.

Auf dem Rand des Vulkans standen mehr als ein Dutzend Observatorien. Richard parkte den Jimmy vor dem NASA-Gebäude. Es sah aus wie ein Observatorium aus einem Bugs-Bunny-Trickfilm: ein quadratischer Betonbau unter einer glänzenden Metallkuppel.

»Kann ich durch das Teleskop schauen?«, fragte sie.

Er lachte nicht. Er hatte diese Frage womöglich schon zu oft beantwortet. »Niemand schaut mehr durch Teleskope. Wir machen einfach nur Bilder.« Er führte sie hinein, durch Korridore mit nackten Wänden und eine Eisentreppe hinunter in einen Aufenthaltsraum, der mit Bürotischen und -stühlen aus verchromten Stahl ausgestattet war.

Eine Frau war im Aufenthaltsraum. Sie war ungefähr in Jeanettes Alter, und sie wäre hübsch, wenn sie ihr Gesicht waschen und etwas Lippenstift auftragen würde. Sie runzelte stark die Stirn, während sie Kaffee trank.

»Mary Alice«, sagte Owen, »das hier ist Jeanette Crichton. Captain Crichton, Army Intelligence. Keine Spionin, sie sammelt Fotos und dergleichen. Dr. Mary Alice Mouton. Sie ist Spezialistin für Asteroiden.«

»Hi!«, sagte Mary Alice. Sie runzelte weiter die Stirn.

»Problem?«, fragte Owen.

»Irgendwie.« Sie schien Jeanette überhaupt nicht zu bemerken. »Rick, ich möchte, dass du dir das hier mal ansiehst …«

»Sicher.«

Dr. Mouton ging vor, und Rick Owen folgte ihr. Jeanette schüttelte den Kopf und schloss sich ihnen an; sie gingen durch einen weiteren Korridor und eine Treppe hinauf, vorbei an einem unaufgeräumten Computerraum.

Alle irre, dachte sie. Aber was hab ich denn erwartet?

Sie hatte überhaupt nicht gewusst, was sie erwarten sollte. Dies war ihre erste Reise nach Hawaii, und die verdankte sie der Versammlung einer Technikervereinigung, von der sie eingeladen worden war, einen Vortrag über Satellitenbeobachtung zu halten. Diese Konferenz war vorbei, und sie nahm sich ein paar Tage frei, schwamm über die Riffe von Big Island und genoss die Sonne. Sie kannte niemanden auf Hawaii, und es war ziemlich öde gewesen. Jeanette überlegte, Linda und Edmund zu besuchen, bevor sie nach Fort Bragg zurückkehrte.

Dann hatte Richard Owen sie beim Riff getroffen. Nach dem Schwimmen hatten sie gefrühstückt, und er hatte sie eingeladen, mit nach oben zum Observatorium zu kommen. Sie hatte einen Schlafsack mitgebracht; sie wusste nicht, ob Owen erwartete, ihn mit ihr zu teilen, aber nach den Kleinigkeiten, die er beim Mittagessen und nach dem Mittagessen auf der Fahrt nach oben gesagt hatte, war sie ziemlich sicher, dass er das Angebot machen würde. Sie versuchte die ganze Zeit zu entscheiden, was sie tun sollte, wenn er es anbot.

Jetzt war es so, als wäre sie überhaupt nicht da.

Sie folgte ihnen in einen kleinen, unaufgeräumten Raum. In einer Ecke stand ein großer Beobachtungsbildschirm. Dr. Mouton machte etwas an der Bedienung, und ein Sternenfeld blinkte auf und verschwand wieder; währenddessen schien ein Stern hin- und herzuspringen.

»Neuer Asteroid?«, fragte Owen.

»Das dachte ich auch«, sagte Dr. Mouton. »Außer … Sieh dir das an, Rick. Und mach dir Gedanken darüber, was du siehst.«

Er starrte auf den Bildschirm. Jeanette ging näher heran. Sie konnte nichts Ungewöhnliches erkennen. Man nimmt in zwei unterschiedlichen Nächten ein Bild auf und macht einen Blinkvergleich. Die normalen Sterne bewegen sich nur unmerklich, aber alles, was sich vor dem Hintergrund der »festen Sterne«, wie ein Planet oder ein Asteroid, bewegt, befindet sich auf zwei verschiedenen Fotos an zwei verschiedenen Stellen. Hin- und herwechseln zwischen den beiden Platten: Es würde so aussehen, als würde der »bewegliche« Himmelskörper hin- und herspringen. So hatte Clyde Tombaugh den Pluto entdeckt.

Es war außerdem die übliche Fotoerkundungstechnik, um zu prüfen, was sich im Intervall zwischen zwei Satellitenaufnahmen verändert hatte.

»Wo ist das Problem?«, fragte Owen.

»Es bewegt sich zu schnell während der Intervalle.«

»Es ist nahe dran …«

»Nicht so nahe«, sagte sie. »Ich habe die Platten von vor ein paar Wochen. Rick, ich musste es fast Nacht für Nacht nachverfolgen, verdammt, so schnell, wie es sich bewegt! Es befindet sich in einem hyperbolischen Orbit.«

»Komm schon, das kann nicht sein!«

»Ist es aber«, sagte Dr. Mouton.