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Liebe Hanni-und-Nanni-Fans!

Die Bücher von Enid Blyton über Hanni und Nanni, die lustigen Zwillinge, gibt es seit vielen Jahren. Millionen begeisterte Leserinnen haben sie verschlungen, und wir haben zahlreiche Leserbriefe zu dieser Serie bekommen. Viele Mädchen haben uns gebeten, es solle weitergehen mit Hanni und Nanni.

Die Geschichten ab Band 16 knüpfen aber nicht an den Abschied von Internat Lindenhof an, sondern an die lustigsten und aufregendsten Erlebnisse der Zwillinge im Alter von dreizehn, vierzehn Jahren.

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Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

02.jpgVorfreude mit Schlagsahne

Hanni und Nanni packten ihre Koffer. Wie jedes Mal nach den Ferien, wenn sie ins Internat zurückmussten, fand das Einpacken am letzten Nachmittag statt, und zwar in rasender Geschwindigkeit. Alles flog durcheinander in die Koffer, Jeans, T-Shirts, Pullover; die Faltenröcke würden sicher ein paar Falten mehr bekommen, denn Hanni hatte ihre Liebe zu Karl May entdeckt und Winnetou I, II und III draufgelegt. Nannis Tennisschläger ruhte weich und wohlig auf einem zarten indischen Musselinkleid. Nur vor den neuen, perfekt gebügelten weißen Seidenblusen „für bessere Gelegenheiten“, wie Frau Sullivan es nannte, hatten die Zwillinge Respekt, die erhielten den Ehrenplatz oben auf dem ganzen Durcheinander.

Als die Eltern zum Kaffee riefen, waren Hanni und Nanni mit der leidigen Packerei fertig. Erleichtert gingen sie hinaus in den Garten. Kaum hatten sie das Zimmer verlassen, schlich die Katze Amanda herein. Sie umkreiste und beschnupperte die Koffer argwöhnisch. Es roch nach Leder, sauberer Wäsche, geputzten Schuhen und jungen Mädchen. Dann sprang sie in einen der Koffer, machte es sich auf Winnetou und auf Hannis Seidenbluse bequem. Sie liebte die Zwillinge, und sie wusste aus Erfahrung, wenn Koffer gepackt wurden, waren sie bald nicht mehr da. Das machte Amanda unglücklich. Sie wollte mit. Unbedingt. Zwar hatte sie es bisher noch nie geschafft, aber sie gab nicht auf. Darum legte sie sich wieder, wie am Ende jeder Ferien, in einen der Koffer, schnurrte sanft in die Kleider und hoffte, dass es diesmal klappen würde.

Es gab Zwetschgenkuchen mit Schlagsahne zum Kaffee. Die Zwillinge waren schweigsam wie selten. Allerdings nicht, weil Abschiedsschmerz sie quälte, sondern weil sie den Mund voll hatten. Sie aßen nicht, sie schaufelten den Kuchen in sich hinein.

„Sagt mal, geben sie euch in Lindenhof denn nichts zu essen?“, amüsierte sich Frau Sullivan.

Nanni war nicht in der Lage zu antworten, sie kaute. Hanni schluckte einen Bissen hinunter.

„Mami“, sagte sie ernsthaft. „Wir kriegen mehr als genug. Aber so einen tollen Zwetschgenkuchen, wie du ihn backst, bekommen wir erst wieder in den nächsten Sommerferien. Also ...“

Sie nahm sich ein weiteres Stück.

„Ich könnte euch morgen nach Lindenhof fahren“, schlug die Mutter nach einer Weile vor. „Ich hätte Zeit.“

„Nicht nötig, Mami“, meinte Hanni, „wir schaffen das schon allein. Es ist ja nicht das erste Mal.“

„Weiß ich“, lächelte Frau Sullivan. „Aber ich tue es gern. Euer Vater kommt morgen ohne mich zurecht in der Praxis, Frau Belser ist ja wieder gesund.“

Die Zwillinge schauten sich an. Sie verstanden sich oft ohne Worte. In diesem Fall war es kein Kunststück.

„Es ist wirklich nicht notwendig, Mami-Maus“, erklärte Hanni mit vollem Mund. „Oder, wenn du Lust hast, dann bring uns doch bis München. Das wäre prima, dann müssen wir mit unserem ganzen Kram nicht umsteigen. Aber dann ... Das letzte Stück ist immer so schön, in unserem Bummelbähnchen, wenn bei jeder Station eine zusteigt, die wir kennen; wir haben ja die reservierten Abteile und da treffen wir uns alle so nach und nach und ... Mami, bitte sei nicht beleidigt ...“

Sie stockte. Sie wollte ihre Mutter nicht verletzen.

Frau Sullivan lachte, strich sich das lockige Haar aus der Stirn, das genauso dunkelbraun und kringelig war wie das ihrer Töchter, nur nicht ganz so lang. „Natürlich, dumm von mir, dass ich nicht daran gedacht hatte! Ihr wollt mit dem Bähnchen ankommen und schon unterwegs Heimkehr nach Lindenhof feiern. Nein, ich bin nicht beleidigt, ich verstehe euch gut. Dann fahren wir also gemeinsam nach München und ich setze euch dort in den Zug.“

Die Zwillinge sprangen auf und umarmten ihre Mutter so stürmisch, dass die Kaffeekanne auf dem wackeligen Terrassentisch ins Wanken geriet. Es schadete nichts, sie war sowieso schon beinahe leer.

Während die Zwillinge die letzten Kuchenstücke auf ihre Teller luden, erschien Amanda, samtpfötig und schön. Sie hatte begriffen, dass die Sache mit den Koffern doch noch nicht so ernst war, und sie liebte Schlagsahne. Selbstverständlich bekam sie ihre Portion. Es war ein Vergnügen ihr zuzusehen, wie sie schleckte, ganz eifrig und sehr genüsslich und voller Anmut.