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Inhalt

Impressum

Widmung

Vorwort

Morton Rhue: Porträt eines Autors

Was man schon immer über Morton Rhue wissen wollte …
Fragen und Antworten

Morton Rhues Romane:
Analysen und Einzelinterpretationen

Die Welle – Faschismus als Experiment

Ich knall euch ab! – Amoklauf in der Schule

Asphalt Tribe – Leben auf der Straße

Auf der Brücke

Boot Camp – Gnadenlose Gehirnwäsche

Ghetto Kidz – Von der Unmenschlichkeit des Menschen

Fame Junkies – Teenager im Rampenlicht

Über uns Stille – Autobiografie und Fiktion

Todd Strasser alias Morton Rhue als Thrillerautor

Wish u were dead

Blood on my Hands

Dying for Beauty

Nachwort

Anhang

Bibliografie

Autoreninformation

Bildteil

Als Ravensburger E-Book erschienen 2012

Die Print-Ausgabe erschien im Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH

Ungekürzte Ausgabe
© 2012 der deutschsprachigen Ausgabe
Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
Text Copyright © Nicola Bardola
© für die Kurzgeschichte »Auf der Brücke«
Todd Strasser
Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt
© für Illustration und Textadaption
der Graphic Novel »Asphalt Tribe«
Stefani Kampmann

Wir danken Todd Strasser für die Bereitstellung der Fotos im Innenteil
© Todd Strasser

Redaktionelle Mitarbeit:
Vera Bardola, David Sumerauer

Alle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Buchverlag
Otto Maier GmbH

ISBN 978-3-473-38475-4

www.ravensburger.de

Für Vera

»Es war so, als hätte die Welle ein eigenes Leben gewonnen und ihn und seine Schüler mit sich fortgeschwemmt.«
Morton Rhue, »Die Welle«


»An author who really has his finger on the way kids think.«
New York Times

Vorwort

Morton Rhue lebt seit über zwanzig Jahren in der Kleinstadt Larchmont im Westchester County im US-Bundesstaat New York. Es ist ruhig da, friedlich, fast idyllisch. Aber das hindert den 1950 in New York City geborenen Autor nicht daran, immer wieder sozial brisante Themen in Angriff zu nehmen und sie für Jugendliche fiktional umzusetzen. Der vorliegende Band möchte nicht nur einen Blick in die Schriftsteller-Werkstatt werfen, sondern auch die ins Deutsche übersetzten Romane des Autors vorstellen und interpretieren. Zudem sollen der Werdegang Morton Rhues, der mit bürgerlichem Namen Todd Strasser heißt, gezeigt und sein Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit gewürdigt werden.

In den USA kennt man Morton Rhue fast nur unter seinem Geburtsnamen Todd Strasser. Bei einem langen Gespräch, das ich im Herbst 2011 mit ihm führte, erklärte er mir seinen Künstlernamen: »Ich hatte in der Schule mehrere Jahre Französisch. Leider habe ich das meiste vergessen, aber es reicht für die Wörter ›mort‹ und ›rue‹, also ›Tod‹ und ›Straße‹.« Morton Rhue dürfte heute eines der bekanntesten Pseudonyme in der Jugendliteratur sein. Und auch seine Entstehung, die Anklänge an das Ende und an den Weg und die leichten phonetischen Veränderungen – Todd Strasser → Morton Rhue – sind vielen seiner Leser bekannt. Der Autor erfand diesen nom de plume 1981, weil einer seiner amerikanischen Verleger damals verhindern wollte, dass zwei Bücher gleichzeitig von Todd Strasser erscheinen. Todd solle doch bitte eines der beiden Bücher unter einem anderen Namen veröffentlichen. Seither ist Todd Strasser in Deutschland viel bekannter unter dem Namen Morton Rhue, weshalb ich ihn in diesem Buch auch durchgängig so nenne.

Mein erstes Interview mit Morton Rhue fand im März 2002 anlässlich seines Buches »Ich knall euch ab!« in München statt, gerade einen Monat vor dem Massaker von Erfurt. Morton Rhue hatte kurz vor unserem Gespräch eine Lesereise durch Deutschland gemacht. Der Tenor in den deutschen Schulen lautete angesichts der von Rhue im Buch beschriebenen Bluttat: »Zum Glück kann so etwas bei uns nicht geschehen, allein schon weil es in den deutschen Haushalten nicht so viele Waffen gibt …« Wenige Wochen danach, nachdem also die Realität das Vorstellungsvermögen aller überstiegen hatte, wurde diese Haltung brutal widerlegt. Wie sieht Morton Rhue das Thema Amok heute und welche Probleme könnten sich bei der geplanten Verfilmung von »Ich knall euch ab!« ergeben? Welchen Weg hat der Schriftsteller Morton Rhue, der heute mit gerade zweiundsechzig Jahren mehr als einhundertvierzig Bücher publiziert hat, zurückgelegt? Wie wurde er zum Autor spannender, sozial engagierter und anspruchsvoller Romane, die Jugendliche begeistern, egal ob sie seine Bücher in der Schule lesen oder außerhalb?

Bereits mit einundzwanzig Jahren hatte Morton Rhue seinen ersten Roman geschrieben. Erfolglos. Aber einige Jahre später entstand daraus »Angel Dust Blues«. Der Roman erschien 1978 auf Umwegen und nach Verzögerungen. Und er ermöglichte Rhue nicht nur die Gründung einer Firma für chinesische Glückskekse in New York City, sondern war auch der Auftakt zu seiner Schriftstellerkarriere. Heute gilt Morton Rhue in den USA als einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren. Aber nicht nur dort ist er prominent: Seine Texte wurden weltweit bisher in insgesamt siebzehn Sprachen übersetzt – die Literatur für jugendliche Leser mit besonders großem Erfolg ins Deutsche. Morton Rhues Geschichten und Artikel sind inzwischen unter anderem in The New Yorker, Esquire und The New York Times erschienen. Darunter befindet sich auch die Short Story »Auf der Brücke«, die in diesem Buch erstmals auf Deutsch veröffentlicht wird.

Die meisten der gesellschaftskritischen Romane Morton Rhues brauchen mit Recherche etwa ein Jahr Arbeitszeit bis zur Rohfassung und zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie zwar fiktional sind, aber auf tatsächlichen Ereignissen beruhen, für die Morton Rhue immer wieder neue erzählerische Mittel findet. Die Auslöser für alle diese Bücher sind vielfältig und nicht selten autobiografisch motiviert. Für »Ich knall euch ab!« beispielsweise war eine der zahlreichen Schreibmotivationen die Sorge des Vaters um seine Kinder, die damals Schulen besuchten, die sich nicht wesentlich von der Columbine Highschool unterschieden, in der 1999 zwei Jugendliche einen Lehrer und zwölf Mitschüler ermordeten. Begegnungen mit obdachlosen Jugendlichen während seiner Reisen fanden ihren Niederschlag in »Asphalt Tribe«. Ähnliches gilt für seine anderen bekannten Romane und in ganz neuer Weise für »Über uns Stille«.

Dieses Handbuch will Hintergründe zu den Texten Morton Rhues beleuchten. Und auch privat soll der Autor zu Wort kommen. So ist beispielsweise Morton Rhues Lieblingssport das Surfen. Die perfekte Welle hat er schon geschrieben, andere Wellen sucht er weiterhin oder reitet sie schon, manchmal mit dem Surfbrett, manchmal mit der Tastatur.

Rhue ist ein vielseitiger Autor, der am liebsten seine Bücher sprechen lässt, aber wenn er darüber hinaus erzählt, dann gibt es viel Wesentliches und Unterhaltsames zu erfahren, das ein tieferes Verständnis für den »Mann der Welle« ermöglicht.

Meine Lieblingsanekdote spielt in Larchmont. »Ich signiere oft und gerne meine Bücher, wenn dies gewünscht wird«, erzählt Morton Rhue augenzwinkernd. »Und natürlich mache ich das auch gerne für Kinder von Freunden hier in meiner Nachbarschaft. Das Niederschmetterndste aber, das mir jemals passiert ist, geschah bei einem Spaziergang durch den Ort. Bekannte von mir organisierten einen Flohmarkt und verkauften alles Mögliche vor ihrer Garage. Ich schaute mich ein wenig um und fand mein Buch, das ich ihnen gewidmet hatte – für fünfzig Cent!« Morton Rhue lacht. Nach über vierzig Jahren als Schriftsteller hat er nicht verlernt, sein Schicksal zu akzeptieren. Er kaufte das Buch.

Nicola Bardola
München, Mai 2012