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© 2010 Franzis Verlag GmbH, 85540 Haar

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Herausgeber: Ulrich Dorn
EPUB-Bearbeitung und Konvertierung: www.goebel-software.com
Coverart & -design: www.ideehoch2.de

ISBN 9783645220859

Inhaltsübersicht

1  Mit Freude Fotografieren

1.1  Kameratypen für jeden Einsatzzweck

1.2  Deshalb ist Digitalfotografie so toll

2  Das Auge der Kamera

2.1  Die wichtigsten Objektivtypen

2.2  Lange Brennweite, kurze Brennweite

2.3  Faktoren für perfekte Schärfentiefe

2.4  Optisch bedingte Abbildungsfehler

2.5  Digitalzoom nur im Ausnahmefall

3  Wichtige Aufnahmeparameter

3.1  Basis für den richtigen Weißabgleich

3.2  Faktoren für die richtige Belichtung

3.3  Motive mit dem Autofokus anvisieren

3.4  Fotografieren mit Blitzlicht

4  Motiv und Bildgestaltung

4.1  Grundlegende Gestaltungsregeln

4.2  Auf die Perspektive kommt es an

4.3  Lichtstimmungen mit einbeziehen

5  Motivsituationen meistern

5.1  Architektonische Besonderheiten

5.2  Im Rhythmus der vier Jahrezeiten

5.3  Ganz nah ran ans Motiv

5.4  Menschen vor der Kamera

5.5  Stimmungsvolle Akte gestalten

5.6  Auf Reisen und im Urlaub

5.7  Sport und Bewegung

5.8  Tiere vor der Kamera

5.9  Beeindruckende HDR-Bilder

5.10  Experimente mit Feuer und Wasser

5.11  Am Abend und in der Nacht

5.12  Prächtige Feuerwerke einfangen

5.13  Stillleben und Table-Tops

A  Bildnachweis

Stichwortverzeichnis

1  Mit Freude Fotografieren

Fotografieren macht großen Spaß und Fehlschläge lassen sich heute leicht verkraften, da man mit Einsatz einer Digicam unmittelbar aus seinen Fehlern lernen kann. Ein Blick auf das Kameradisplay offenbart sofort die Probleme bei Belichtung oder Bildgestaltung. Nehmen Sie so oft es geht die Kamera in die Hand, denn nichts bringt Sie weiter in der Fotografie als Übung. Allein schon die Tatsache, dass Sie Ihre Digicam immer schussbereit dabeihaben, lässt Sie aufmerksam bleiben und offen für neue Motive.

1.1  Kameratypen für jeden Einsatzzweck

Angesichts des raschen Fortschritts in der Digitalkameratechnik haben die Kameras im Vergleich zum Analogzeitalter eine geringere Nutzungsdauer. Sie werden also, wenn Ihnen die Digitalfotografie Spaß macht, mittelfristig über eine Neuanschaffung nachdenken. Auf den folgenden Seiten wird erklärt, welche Kameraklassen und -systeme es gibt, welche Vor- und Nachteile sie haben und für wen die Kameratypen geeignet sind. Stellen Sie sich am besten zunächst die Frage, welchem Fotografentyp Sie am ehesten entsprechen.

Für jeden Fotografentypus gibt es das nahezu perfekte System. Von der kleinen mobilen Kompaktkamera, die man um den Hals trägt, bis zum ausgewachsenen Spiegelreflexsystem ist alles nur eine Frage der Ansprüche und der finanziellen Ausstattung. Grundsätzlich unterscheidet man in der digitalen Amateurfotografie drei Geräteklassen: Kompaktkameras, Bridgekameras und Spiegelreflexkameras

Kompaktkameras: die Handlichen

Kompaktkameras sind klein und handlich – kompakt eben –, lassen sich schon nach kurzer Einarbeitung einfach bedienen und sind für die allermeisten Fotosituationen gerüstet. Kompaktkameras haben ein fest eingebautes Objektiv, das meistens als Zoomobjektiv mit variabler Brennweite ausgelegt ist. Man bekommt also vom Weitwinkel für Landschaftsfotos oder Gruppenbilder bis zur Telebrennweite für Porträts und Motivdetails viele Variationsmöglichkeiten an die Hand, um den Bildausschnitt je nach Motiv und Intention festzulegen. Außerdem sind mit einigen Modellen auch HD-Videoaufnahmen möglich.

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Bild 1.1  Moderne Kompaktkameras können weit mehr, als nur Fotos zu machen. Viele Modelle sind in der Lage HD-Videossequenzen aufzunehmen, manche kann man sogar mit zum Tauchen nehmen.

Viele Kompaktkameras haben keinen klassischen optischen Sucher, durch den man hindurchschauen kann. Vielmehr wird das Display als adäquater Sucherersatz verwendet. Die Displays haben mittlerweile eine Größe erreicht, die auch älteren Menschen mit eingeschränkter Sehkraft die Bildkontrolle sehr gut ermöglichen.

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Bild 1.2  Kleine Kompaktkameras haben in der Regel keinen optischen Sucher. Der Monitor auf der Rückseite dient dazu, die Motive anzuvisieren.

Die durchschnittliche Auflösung (in Millionen Pixeln/Megapixeln) von digitalen Kompaktkameras liegt bei ca. 10 Megapixeln. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass die Auflösung nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal darstellen muss. Zwar kann man mit höherer Anzahl an Bildpunkten theoretisch mehr Details aufnehmen, die technischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung sind jedoch enorm. Denn je mehr einzelne Bilderfassungselemente (Pixel) auf einem sowieso schon winzigen Sensor untergebracht werden, desto weniger Licht fällt für jeden Bildpunkt ab. Die Folge dieser schieren Masse an Pixeln: Die Spannung, die ein Bildpunkt erzeugt, muss künstlich verstärkt werden, was zu massivem Bildrauschen führen kann, das dann jede noch so schöne Aufnahme verdirbt.

Bridgekameras: die Superzoomer

Bridgekameras zeichnen sich dadurch aus, dass sie annähernd so gut mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet sind wie SLRs. Sie haben einen elektronischen Sucher und einen Monitor zur Motiv- und Bildkontrolle. Allerdings ist wie bei einer Kompaktkamera das Objektiv fest mit dem Kameragehäuse verbunden, ein Objektivwechsel ist also nicht möglich. Um diesen Nachteil wettzumachen, haben Bridgekameras oft Megazoomobjektive mit Brennweiten vom kleinen Weitwinkel (ca. 24 bis 28 mm) bis zum Extremtele (200 mm, 400 mm und noch mehr). Man spricht hier auch vom 10-fachen oder 12-fachen Zoom etc. Während Kompaktkameras üblicherweise nur 3- oder 4-fach-Zoomobjektive verwenden (Brennweiten zwischen ca. 28 und 85 mm), wollen Bridgekameras auch für Freunde langer Brennweiten genügend Reserven bieten. So kann man beispielsweise im Zoo den Kopf eines Löwen formatfüllend aufs Bild bringen.

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Bild 1.3  Die Coolpix P90 von Nikon ist ein typischer Vertreter der Klasse der Bridgekameras ohne Wechselobjektiv.

Bridgekameras liegen preislich deutlich über den Kompakten, liefern aber nicht unbedingt auch die bessere Bildqualität. Die Sensoren sind ähnlich klein wie die der Kompaktgeräte – mit all den Nachteilen –, und die extremen Brennweiten bringen noch ein weiteres Problem, das sich unmittelbar auf die Bildqualität auswirken kann. Konstruktionsbedingt sind Objektive immer mit bestimmten Fehlern behaftet. Diese optischen Fehler (Verzerrungen, Unschärfe, Farbränder auf den Bildern, dunkle Bildecken etc.) können bei der Konstruktion berücksichtigt und unterdrückt werden, am besten bei Objektiven mit einer einzigen festen Brennweite. Je größer der Brennweitenbereich eines Zoomobjektivs ist, desto weniger kann man gegen Objektivfehler tun. Das gilt natürlich gleichermaßen für die Wechselobjektive einer SLR.

MFT-Kameras: die Universellen

Für alle, die sich nicht entscheiden können, lohnt ein Blick auf die relativ neue Kameraklasse der Micro-FourThirds-Kameras. Wichtigste Vertreter dieser Klasse sind die Modelle der Olympus PEN-Reihe und die Kameras des Panasonic G Micro Systemds. Extrem kompakt, aber mit Wechselobjektiv, stehen sie konventionellen Spiegelreflexkamers in nichts nach. So zum Beispiel die Olympus PEN. Die PEN ist eine Art Schweizer Taschenmesser für Fotografen. Sie kann filmen, knipsen und richtig gute Bilder machen. Sie können fast alle nur denkbaren Objektive adaptieren, und bei der kompletten Linie der ZUIKO-FT-Optiken, darunter die besten Zooms, die es derzeit für Geld zu kaufen gibt, funktioniert auch der Autofokus.

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Bild 1.4  Die Olympus PEN E-P2 mit Wechselobjektiven und elektronischem Aufstecksucher.

Sie erhalten eine absolut konkurrenzfähige Bildqualität, die sich nicht vor dreimal so teuren Profi-DSLRs zu verstecken braucht, und andererseits können Sie die Kamera mit dem Micro-FT-Pancake sogar in der Handtasche unterbringen.

Franzis

http://bit.ly/d85zNa

Hier finden Sie das Profibuch Olympus PEN, das Schweizer Taschenmesser für Fotografen.

DSLR-Kameras: die Alleskönner

Flexibilität durch Wechselobjektive, gute Bildqualität, schneller, höherer Preis – das sind einige der Hauptmerkmale von digitalen Spiegelreflexkameras . Außerdem gibt es mehr bzw. bessere Möglichkeiten, manuell in den Belichtungsprozess einzugreifen. Zwar bieten die meisten Digital-SLRs auch einen Automatikmodus (anvisieren – auslösen – fertig), wenn man aber weiß, wie man Blende und Verschlusszeit, Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit sowie den (Zusatz-)Blitz für bessere Bildgestaltung einsetzt, sind SLRs schneller und übersichtlicher zu bedienen. Außerdem liefern sie (natürlich) durch größere Sensoren und bessere Objektive deutlich bessere Bildqualität mit weniger Bildrauschen, mehr Schärfe und konstanteren Farben.

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Bild 1.5  Die Canon EOS 550D, ideal für ambitionierte Einsteiger in die Spiegelreflexfotografie.

DSLRs sind schneller (besserer Autofokus, mehr Bilder pro Sekunde), belichten und fokussieren zuverlässiger (nachführender Autofokus für bewegte Motive) und haben einen optischen Sucher. Das bedeutet, der Blick durch den Sucher (über den Klappspiegel, der der Kamera ihren Namen gibt) zeigt das Motiv praktisch unverändert. Vor allem die manuelle Fokussierung klappt mit einem optischen Sucher deutlich besser als mit einem elektronischen Sucher oder über einen Monitor.

Kameras vor dem Kauf testen

Tun Sie sich deshalb einen Gefallen und probieren Sie vor dem Kauf mehrere Digitalkameras gründlich im Geschäft aus. Entscheiden Sie erst nach ein paar Versuchen, welche Kamera Ihnen am ehesten liegt und mit welchem Modell Sie am besten umgehen können. Ist die Bedienung zu kompliziert, erzeugt das Fotografieren über kurz oder lang nur Frust.

1.2  Deshalb ist Digitalfotografie so toll

Wo immer man sich gerade befindet, was immer man mit der Kamera festhalten möchte – es gibt nichts, was man nicht zumindest ausprobieren kann. Und wenn Sie keine Lust haben, die schwere Spiegelreflexkamera mitzunehmen, lassen Sie sich eben noch eine kleine Kompakte für 100 Euro zum Geburtstag schenken. Dann entgeht Ihnen nichts mehr.

Schnappschüsse aus dem Handgelenk

Für rasche Schnappschüsse sind Sie mit einer schnellen Digitalkamera ohne große Auslöseverzögerung bestens gerüstet. Sie können bequem drauflosfotografieren, bis die Speicherkarte voll ist: einfach Belichtungs- und Schärfeautomatik einschalten, draufhalten und den Auslöser drücken. Sind die Bilder nichts geworden (Kontrolle am Display), werden sie gelöscht. Kleine Belichtungsfehler lassen sich mithilfe der Bildbearbeitung auch noch korrigieren. Was auch immer Sie fotografieren wollen – eine ordentliche Digitalkamera ist für jeden Spaß zu haben.

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Bild 1.6  Schnelle Schnappschüsse aus dem Handgelenk sind mit einer Digitalkamera kein Problem. Ist die Lichtsituation nicht zu kompliziert, kann man sich auf die Automatikfunktionen verlassen.

Durchgestylte und geplante Porträts

Nicht nur Schnappschüsse sind mit einer Digitalkamera einfacher geworden, auch völlig durchgestylte und geplante Porträts profitieren von der digitalen Arbeitsweise. Ob bei Tageslicht oder mit Blitzlicht im Studio – Sie können Perspektive und Beleuchtung so oft verändern und Probefotos schießen, bis die Bilder hinsichtlich Aufbau, Hintergrund und Licht genau so sind, wie Sie es sich vorstellen. Machen Sie lieber zu viele als zu wenige Bilder und sortieren Sie die unbefriedigenden einfach später am Computer aus.

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Bild 1.7  Gerade bei Porträts führt Ausprobieren oft eher zu stimmungsvollen Fotos als geplantes Herangehen.

Stimmungsvolle Landschaftsbilder

Die Landschaftsfotografie lebt von der bewussten Bildgestaltung. Die Geschwindigkeit der Kamera ist hier nebensächlich. Wichtig dagegen: Display und Sucher der Kamera sollten den Bildausschnitt, der später auf dem Foto zu sehen ist, möglichst genau wiedergeben. Ob der Sucher exakt arbeitet, kann man schnell mit ein paar Probeaufnahmen vor dem Kauf herausfinden.Sie können also, wenn Sie früher Landschaften analog im Kleinbildformat fotografiert haben, getrost auf die Digitaltechnik umsteigen. Für einen Ausdruck oder Abzug in Größen bis zu A4 oder sogar A3 (10 Megapixel und mehr) ist die Qualität der meisten Digitalkameras auf jeden Fall ausreichend.

Allerdings sollten sich echte Fans von Landschaftsfotos ernsthaft überlegen, besser gleich zu einem Spiegelreflexsystem zu greifen. Erstens sind die Sensoren größer, und zweitens kann man spezielle, für die Landschaftsfotografie prädestinierte Objektive einsetzen, die denen einer Kompaktkamera um Meilen voraus sind. Beide Faktoren stehen für eine deutlich bessere Bildqualität, als kompakte oder Bridgekameras jemals erzielen können.

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Bild 1.8  Solche Lichtstimmungen sollte man sich nicht entgehen lassen – mit der Digitalkamera kein Problem.

Und Action: Bewegungen festhalten

Für die Fotografie von bewegten Motiven ist viel Übung notwendig. Sie müssen sich, wenn Sie nicht einfach auf gut Glück arbeiten wollen, mit der Kamera vertraut machen und lernen, wie man sie am besten für bewegte Motive einstellt. Falls Sie nicht manuell in Fokussierung und Belichtung eingreifen können oder wollen, stellen Sie ein Aufnahmeprogramm ein, das für schnelle Bewegungen ausgelegt ist.

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Bild 1.9  Einfach die Kamera in eine Szene halten und abdrücken: Experimentieren Sie mit den unterschiedlichen Aufnahmeprogrammen Ihrer Digitalkamera, um bewegte Motive einzufangen.

Die meisten Digitalkameras haben ein Einstellrad, auf dem Symbole für die verschiedenen Programme zu sehen sind. Das für Bewegungen geeignete Programm wird meistens durch einen Läufer symbolisiert. Ist die Kamera richtig eingestellt, halten Sie drauf und drücken im richtigen Moment – z. B. wenn ein Radfahrer, Auto oder Motorrad an Ihnen vorbeikommt – den Auslöser.

Man muss es an dieser Stelle ganz klar sagen: Um wirklich professionelle Fotos von Rennwagen, Läufern oder Radfahrern hinzubekommen, benötigen Sie professionelle Ausrüstung. Weder die kleine digitale Kompaktkamera noch die meisten Bridgekameras sind dafür ausgelegt, schnelle Bewegungen perfekt scharf und in Topqualität aufzunehmen. Nur schnelle Spiegelreflexsysteme mit extrem lichtstarken und schnell fokussierenden Objektiven sind in der Lage, zuverlässig perfekte Sportbilder zu liefern – natürlich immer mit der Einschränkung, dass der Fotograf seine Ausrüstung auch hundertprozentig beherrscht.

Nahaufnahmen: Stärke der Kompaktkameras

Nahaufnahmen sind eine Stärke der Kompaktkameras. Aufgrund der kleinen Sensoren und der Tatsache, dass die Aufnahmen mit Digitalkameras im Vergleich zu analogen Bildern eine viel größere Schärfentiefe aufweisen, sind perfekte Nah- und Makroaufnahmen oft ganz ohne Zubehör möglich. Der Grund für so viel Schärfentiefe bei digitalen Kompakten: Weil die Sensoren im Vergleich zum Kleinbildfilm viel kleiner sind, kommen in Digitalkameras kleinere Objektive mit entsprechend kleineren Brennweiten zum Einsatz.

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Bild 1.10  Bei Nah- und Makroaufnahmen sollte man, auch wenn digitale Kompaktkameras klein und leicht sind, trotzdem mit Stativ arbeiten.

Die Schärfentiefe hängt von der Brennweite ab und ist umso größer, je kleiner die Brennweite ist, mit der fotografiert wird. Für gelungene Nahaufnahmen brauchen Sie ein Stativ, weil die Verwacklungsgefahr bei solchen Bildern sehr hoch ist. Bedingt durch die Bauart, können Sie sich mit Ihrer Digitalkamera kleinen Motiven bis auf wenige Zentimeter nähern. Hat Ihre Digitalkamera zusätzlich noch ein ausklappbares Display, müssen Sie sich beim Blick durch den Sucher nicht unnötig verrenken, um den Bildausschnitt zu beurteilen. Ein Blick auf das Display genügt, und selbst ungewöhnliche Aufnahmewinkel – z. B. direkt vom Boden aus schräg nach oben – sind kein Problem.

Zubehör für Nahaufnahmen

Am Zubehör für die Nah- und Makrofotografie hat sich von der analogen zur digitalen Fotografie kaum etwas geändert. Für Kompaktkameras gibt es Nahlinsen zum Aufschrauben oder Aufstecken, bei Spiegelreflexkameras kann man auf Balgengerate, Spezialobjektive und Zwischenringe zurückgreifen .

Available Light mit hoher Empfindlichkeit

Wer analog fotografiert, kennt das Problem: Die Empfindlichkeit (ISO, ASA) von Filmmaterial ist nicht beliebig steigerbar. Im Fachhandel bekommt man Filme nur bis zu einer bestimmten Empfindlichkeit. Die Bildqualität ist dann allerdings nicht mehr besonders gut, weil die Kornstruktur des Films mit hohem ISO-Wert immer sichtbarer wird. Bei einer Digitalkamera ist das zwar ähnlich – auch hier führt ein hoher ISO-Wert zu mehr Bildrauschen –, die mögliche Empfindlichkeit wurde jedoch in den letzten Jahren enorm gesteigert, sodass man in Situationen immer noch aus der Hand fotografieren kann, in denen man mit analogem Film schon längst das Handtuch hätte werfen müssen.

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Bild 1.11  Früher war Bildrauschen ein viel größeres Problem. Heute kann man, wie man hier gut sehen kann, sogar mit Extremwerten wie ISO 1600 fotografieren und bekommt trotzdem wunderschön sanfte Aufnahmen.

Nur ein Beispiel: Die Spiegelreflexkamera EOS 50D von Canon lässt sich mit bis zu ISO 12800 betreiben. Sicher, das Bildrauschen ist dann deutlich sichtbar, analog fotografiert möchte man sich das Ergebnis jedoch nicht einmal vorstellen. Was noch hinzukommt: Eine digitale Aufnahme mit hoher Empfindlichkeit kann man am Computer nachbearbeiten und z. B. auch in ein Schwarz-Weiß-Bild umwandeln. Grobkörnige Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit hoher Empfindlichkeit hatten schon zu analogen Zeiten einen ganz besonderen Charme.

2  Das Auge der Kamera

Das Objektiv ist das Auge jeder Kamera. Einfach gesagt, bündelt ein Objektiv das vorn einfallende Licht auf einer Fläche hinter der Linse. Objektive erstellen Abbildungen der Licht emittierenden Umgebung vor der Linse. Die allermeisten Objektive für Fotokameras sind Konstruktionen aus (Glas-)Linsen, eine Sonderform sind Spiegelobjektive, in denen auch Spiegel verbaut werden.

2.1  Die wichtigsten Objektivtypen

Zu einer Kamera gehört immer ein passendes Objektiv. Lesen Sie hier, was Sie über die wichtigsten Objektivtypen wissen müssen.

Die Allrounder: Zoomobjektive

Großer Vorteil der weit verbreiteten Zoomobjektive ist natürlich die Flexibilität bei der Wahl des besten Bildausschnitts. Man kann sehr schnell die Brennweite mithilfe des entsprechenden Drehrings am Objektiv verstellen, um rasch den Bildausschnitt neu zu bestimmen. Für jede Spiegelreflexkamera gibt es für praktisch jeden Brennweitenbereich das passende Objektiv. Ein Nachteil, der Zoomobjektiven häufig nachgesagt wird, ist deren im Vergleich zu Festbrennweiten schlechtere Abbildungsqualität.

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Bild 2.1  Das LUMIX G VARIO HD 14-140 mm / F4.0-5.8 ASPH. / O.I.S. ist für das Micro-FourThirds-Kamerasystem (u. a. von Panasonic) konstruiert und hat einen auf das Kleinbildformat umgerechneten Brennweitenbereich von 28 bis 280 mm.

Für Schnappschüsse im Urlaub, auf Partys oder einfach so in der Freizeit ist ein Zoomobjektiv aber immer die beste Wahl. Wenn es auf absolut perfekte Bildqualität ankommt, sollte man zusätzlich in eine Festbrennweite investieren.

Für beste Bildqualität: Festbrennweiten

Die Korrektur der Abbildungsfehler ist bei Festbrennweiten viel besser möglich als bei Zooms. Deshalb liefern Objektive mit einer festen Brennweite auch im Allgemeinen die deutlich bessere Bildqualität. Nachteil ist natürlich, dass man für die Bildgestaltung die Kamera bewegen muss – sprich Turnschuhzoom. Gerade bei spontanen Schnappschüssen kann das unbequem werden.

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Bild 2.2  Das EF 50 mm 1,8 II ist bzw. war die Standardoptik von Canon schlechthin – perfekt für Porträts.

Wer jedoch oft auf Fototour geht und ganz bewusst z. B. Landschaften und Architektur aufnimmt, sollte sich unbedingt eine gute Festbrennweite zulegen, um das Maximum an Qualität aus seiner Kamera herauszukitzeln. Festbrennweiten gibt es für jede Digital-SLR, allerdings ist das Angebot mancher Hersteller gegenüber den beliebten Zoomoptiken ein wenig eingeschränkt.

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Bild 2.3  Profis in der Naturfotografie verwenden meistens Festbrennweiten, weil die Bildqualität im Vergleich zu Telezooms deutlich besser ist.

Beachten Sie jedoch immer, dass Sie bei der Verwendung einer Festbrennweite an einer Digitalkamera mit im Vergleich zum Kleinbildformat kleinerem Sensor (Verlängerungsfaktor) die Brennweite mit dem Faktor 1,5 (Nikon), 1,6 (Canon) oder 2 (FourThirds-Standard) multiplizieren müssen. Aus einem 20-mm-Superweitwinkel wird dann z. B. ein 32-mm-Objektiv (Faktor 1,6), aus einem 85er-Porträtobjektiv wird ein Objektiv, das den Bildwinkel eines 130-mm-Objektivs (Faktor 1,5) hat.

Kleine Dinge ganz groß: Makroobjektive

Freunde von Insekten, Blüten und anderen kleinen Motiven greifen, sofern sie mit einer Spiegelreflexkamera arbeiten, immer gern zu speziellen Makroobjektiven. Diese Optiken gibt es entweder vom jeweiligen Kamerahersteller oder aber von Fremdherstellern wie Sigma und Tamron. Man sollte beim Kauf einige Faktoren in die Kaufentscheidung einfließen lassen.

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Bild 2.4  Canon EF 180 mm 1:3,5 Macro USM – Aufgrund des Gewichts von 1.090 Gramm empfiehlt sich bei der Arbeit mit dem EF 180 mm 3,5 Macro unbedingt ein stabiles Stativ. Das Objektiv wird mit Stativschelle ausgeliefert, mit der die Kamera schnell ins Hochformat gebracht werden kann.

Fotografiert man Kleinlebewesen, die sehr schreckhaft reagieren und schnell flüchten, benötigt man eine lange Brennweite, und das Objektiv muss möglichst leise arbeiten. Sind Sie eher auf die Pflanzenwelt spezialisiert, spielt das Arbeitsgeräusch keine Rolle. Weiterhin sollte man sich fragen, welchen Abbildungsmaßstab man erreichen möchte. Wenn die Motive lebensgroß erfasst werden sollen, muss das Objektiv einen Abbildungsmaßstab von 1:1 schaffen. Eine 10 mm große Ameise wird dann exakt mit 10 mm auf dem Sensor abgebildet.

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Bild 2.5  So nah kommt man einer Wanze nur mit langer Brennweite mit Makrofunktion bzw. Makrozubehör. Das 180er-Makroobjektiv ist für solche Aufgaben perfekt geeignet. Es hat allerdings auch seinen Preis, daher ist die Anschaffung nur für Fotografen sinnvoll, die sich sehr häufig mit Makrofotografie beschäftigen.