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Erfolg bei Pokerturnieren

Von der ersten bis zur letzten Hand
Band 2

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Von

Jon “PearlJammer” Turner
Eric “Rizen” Lynch
Jon “Apestyles” Van Fleet

Aus dem Amerikanischen von Lukas Buchinger
Vorwort und Einleitung von Matthew Hilger

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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar.

Über die Autoren

Eric “Rizen” Lynch

Eric „Rizen“ Lynch ist sowohl live als auch im Internet als einer der Top Turnierspieler der Welt bekannt. In nur zwei Jahren erreichte er bei der „World Series of Poker“ sieben Platzierungen im Preisgeld, darunter ein zweiter und ein dritter Platz. Er wurde 24. im Main Event 2006 und gewann dabei seinen bisher größten Preis in Höhe von 494.000 $. Insgesamt kommt er auf über eine Million Dollar Preisgeld allein in Liveturnieren.

Im Internet gewann Eric alias „Rizen“ über 50 Turniere und erreichte mehr als 300 Finaltische, wobei er einen Gesamtgewinn von über 1,5 Millionen Dollar erzielte. Im Jahr 2007 gewann er unter anderem eines der großen Sonntagsturniere und erhielt alleine hierfür 156.000 $ Preisgeld.

Eric schreibt regelmäßig in seinem Blog auf und ist Kolumnist für das renommierte Bluff Magazin.

Jon “PearlJammer” Turner

Jon „PearlJammer“ Turnier ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Turnierspieler weltweit, besonders im Internet. 2007 erhielt er den “Internet-Spieler des Jahres Award” – vergeben von InternetPokerRankings.com – nachdem er im Jahr zuvor bereits dritter dieser Rangliste um die meisten Turniererfolge geworden war. Jon ist außerdem Dauergast der Top 10 Spieler in der Rangliste auf .

In den letzten Jahren hat PearlJammer eine beachtliche Serie an Erfolgen hingelegt: Er verzeichnet über 200 Turniersiege, hat mehr als 1.000 Finaltische erreicht und dabei insgesamt über 4 Millionen Dollar an Preisgeldern gewonnen. Im April 2009 gelang ihm mit dem Gewinn von 527.000 $ sein bisher größter Erfolg bei einem einzelnen Internetturnier.

Jon “Apestyles” Van Fleet

Jon “Apestyles” Van Fleet fing 2004 an, professionell zu pokern, nachdem er seinen Collegeabschluss gemacht hatte. In kürzester Zeit kletterte er danach in den Ranglisten der Internetpokerwelt nach oben und wurde sowohl 2006 als auch 2007 in den Top 20 auf InternetPokerRankings.com geführt. Jon wurde im Jahr 2009 5-ter sowohl in der Rangliste von IPR als auch von PocketFives.com und konnte zusätzlich zweimal deren Triple Crown-Award gewinnen.

Jon hat knapp 3 Millionen Dollar Preisgeld bei Onlineturnieren erzielt und dabei über 500 Finaltische erreicht, sowie 85 Turniere gewonnen. Sein größter Einzelgewinn waren 135.000 $, die er für den zweiten Platz bei einem großen Sonntagsturnier erhielt.

Danksagungen

Eric Lynch

Ich danke meinen beiden Co-Autoren Jon Turner und JohnVan Fleet, sowie meinem Verleger Matthew Hilger von Dimat Enterprises für ihr Engagement und ihre Geduld bei der Herausgabe dieses Buches. Es war vermutlich weit schwieriger, als wir alle vorhergesehen haben, aber auf das Endprodukt bin ich sehr stolz. Erneut möchte ich mich bei meiner Frau und meiner Familie bedanken. Ohne ihre Unterstützung wäre weder dieses Buch noch meine Pokerkarriere denkbar.

Jon Turner

Ich möchte meinen Eltern und meiner ganzen Familie danken. Sie unterstützen fortwährend meine Pokerleidenschaft, obwohl nur wenige von ihnen jemals dieses wunderbare Spiel ausprobiert haben. Dank auch an alle meine Freunde, von denen ich sehr viel gelernt habe und immer noch lerne. Mein herzlichster Dank geht an meine Freundin Tracey, die mich darin bestärkt hat, bei diesem Projekt mitzumachen, und mir half, während der gesamten Entstehung motiviert zu bleiben. Zum Schluss möchte ich noch jedem danken, der persönlich seine Wertschätzung des ersten Bandes zum Ausdruck brachte (aber auch für die konstruktive Kritik), ihr alle habt mich motiviert, zu schreiben und an der Verbesserung meines Spiels zu arbeiten.

Das Schöne am Poker ist, das sogar die besten Spieler immer noch viel dazu lernen müssen. Sie sind deshalb die Besten, weil ihnen dies bewusst ist, und sie von jeder Hand, die sie spielen, diskutieren oder verfolgen, eine Menge lernen. Ich hoffe, Sie werden die Beispielhände nicht als Bibel betrachten, die Ihnen sagt, was in bestimmten Händen und Situationen die beste Spielweise ist. Stattdessen können Sie hier lernen, wie Sie sich in den Situationen, in denen Sie sich selbst wiederfinden, besser verhalten und selbständig die optimale Lösung erkennen.

Jon Van Fleet

Ich möchte mich bei Stephen Chidwick bedanken, der sich freundlicherweise die Zeit nahm, meinen Teil dieses Buches zu lektorieren. Zudem half er mir bei der Beschreibung von Hand 27, obwohl er viel beschäftigt und selbst ein grandioser Internetpokerspieler ist. Dank auch an Clint Coffee für seine sorgfältigen und genauen Korrekturen, die meinen Text erheblich verbesserten. Außerdem möchte ich meinem Vater „the Geez“ danken, der die ganzen mathematischen Belange geprüft und meinen Teil durchgelesen hat.

Außerdem vergaß ich in Band I, meinen Eltern zu danken. Sie haben mich immer bei allen Unternehmungen unterstützt und mich in einem großartigen Elternhaus aufgezogen. Jedem, der mich jemals bei einer Hand beraten oder zur Verbesserung meines Spiels beigetragen hat, rufe ich ein Dankeschön zu, auch meinen beiden Co-Autoren. Ich schätze mich jeden Tag glücklich, so großartige Pokerhirne und wunderbare Freunde in der Gemeinschaft der Pokerspieler getroffen zu haben. All mein Wissen über Poker ist lediglich eine Anhäufung fremder Ideen und Ratschläge und ich bin glücklich, auf den Schultern von Giganten zu stehen. Natürlich danke ich auch all meinen Freunden und Fans, die dieses Buch gekauft haben und es am Pokertisch vermutlich gegen mich einsetzen werden!

Matthew Hilger

Ich möchte diversen Personen danken, die dieses Buch ermöglicht haben:

• Neil Myers und Julie Risinit für Stil und Überarbeitung.

• Andrew und Eva Kuczynski für Satz und Design.

• Craig Ditman und Susan Myers für das Cover Design und Artwork.

Gleichzeitig möchte ich den Forumsmitgliedern auf
danken.
Ich wäre nicht ansatzweise ein so erfolgreicher Pokerspieler und Autor ohne
Eure Unterstützung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

von Matthew Hilger

Sind Sie bereit, Ihr Spiel auf ein neues Niveau zu bringen? Dieses Buch gewährt Ihnen Einblick in die Gedanken und Arbeitsprozesse von drei der klügsten Pokerköpfe der heutigen Zeit: Eric “Rizen” Lynch, Jon “PearlJammer” Turner, and Jon “Apestyles” Van Fleet. Dieses Buch wird Ihnen zeigen, wie drei der weltweit besten Pokerspieler eine Hand analysieren und diskutieren, vom Anfang bis zum Ende.

Was unterscheidet dieses Buch von allen anderen Turnier-Pokerbüchern?

Erstens werden Sie es schwer haben, drei Pokerspieler zu finden, die mehr Erfolge vorweisen können. Ein Profi, der ausschließlich Liveturniere spielt, kommt vielleicht auf 100 Turniere im Jahr. Unsere Autoren spielen diese Anzahl an Turnieren häufig in einer Woche! Zusammen haben sie über 50.000 Turniere gespielt, über 1.800 Finaltische erreicht, haben über 300 Hauptturniere gewonnen und mehr als 10 Millionen Dollar gecasht! Zweitens beschäftigt sich dieses Buch nicht mit allgemeiner Spieltheorie, sondern mit der Frage, wie man ganz konkret eine einzelne Hand spielt.

Das Erlernen von Theorien und Konzepten ist grundlegend wichtig, um ein guter Pokerspieler zu werden. Und es gibt einige gute Bücher, die diese Grundsätze vermitteln und es Ihnen ermöglichen, eine solide Basis an theoretischem Wissen zu erlangen. Und sobald Sie diese theoretische Basis erlernt haben, müssen Sie sie in die Praxis umsetzen.
Dieses Buch führt Sie auf den Weg zum Erfolg bei Pokerturnieren, indem es Sie in die Köpfe einiger der weltbesten Spieler schauen lässt. Sie werden exakt erfahren, wie diese Spieler nicht nur eine einzelne Hand, sondern ein komplettes Pokerszenario analysieren und einschätzen.

Die Inspiration zu dem Format dieses Buchs kam aus Middle Limit Hold‘em, von Jim Brier und Bob Ciaffone, ein Buch das Hunderte von Beispielhänden beinhaltet, um zu demonstrieren, wie Theorie und Praxis zusammen kommen. Ich bin sehr überzeugt von dieser Art, Poker zu unterrichten. Damit es funktioniert, braucht man äußerst erfahrene Spieler als Lehrer bzw. Autor. Doch Erfahrung alleine macht noch keinen guten Mentor. Was diese drei Experten von anderen guten Spielern zusätzlich unterscheidet, ist Ihre Fähigkeit, Ihren Entscheidungsprozess exakt und verständlich zu beschreiben, indem sie alle wichtigen Gedanken während jeder einzelnen Hand formulieren.

Ich bin überzeugt, dass dieses Buch eine einzigartige Bereicherung zur verfügbaren Pokerliteratur darstellt. Die Spieler, die diese beiden Bände lesen und studieren, werden dadurch Zeit, Geld und Jahre der Frustration sparen, indem sie von der Erfahrung und dem Wissen dreier äußerst erfolgreicher Turnierprofis partizipieren und profitieren.

Einleitung

Wie dieses Buch entstand, und was es für Sie tun kann.

von Matthew Hilger

Hoffentlich haben Sie Band 1 gelesen und kennen schon die Geschichte, wie es zu diesem Buch kam. Für die anderen möchte ich kurz von den Anfängen dieses Projekts berichten und dann erläutern, worum es in Band 2 geht und worin er sich von Band 1 unterscheidet. Zum Schluss möchte ich noch einige Worte zu Band 3 verlieren, der Ende dieses Jahres erscheinen wird.
Im Jahr 2007 nahm ich mit Eric „Rizen“ Lynch wegen eines möglichen Buchprojekts Kontakt auf. Ich hatte seinen Artikel „Nach Harrington“ gelesen und war höchst beeindruckt von seinem Stil und seiner Art, neue Ideen und Konzepte zu beschreiben. Ein Buch, geschrieben von Spezialisten für Internet-Turniere, erschien mir als gute Ergänzung meines Verlagsprogramms.

Die Kontaktaufnahme mit Eric führte zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch und die Buchreihe nahm erste Gestalt an. Als Eric und ich über das Projekt berieten, diskutierten wir auch potenzielle Co-Autoren. Erics erster Vorschlag war Jon „PearlJammer“ Turner. Anschließend bat ich PearlJammer und Rizen um eine Liste weiterer Spieler, die als Co-Autoren in Frage kamen. Zu meiner Freude stand bei beiden der gleiche Name an oberster Stelle: Jon „Apestyles“ Fleet.

Einer der großen Vorteile dieses Buchs sind die drei unterschiedlichen Spielstile. Alle drei Spieler können sich einem bestimmten Tisch und konkreten Turniersituationen anpassen und das Tempo wechseln – aber man kann mit Sicherheit sagen, dass PearlJammer einen konservativeren Ansatz pflegt, während Apestyles in der Regel eher die aggressivere Linie wählt, sofern die Umstände nichts anderes nahe legen. Rizens Stil liegt irgendwo dazwischen. Neben den verschiedenen Spielstilen unterscheiden sich auch die Denkprozesse und Schreibstile, wodurch die drei Abschnitte jeweils einzigartig sind.

Für alle, die Band 1 nicht gelesen haben, sei an dieser Stelle gesagt, dass darin Beispielhände bis zum Platzen der Bubble besprochen wurden. Die meisten Hände jenes Bandes wurden von den Autoren einzeln aus verschiedenen Turnieren ausgewählt. Einzige Ausnahme war Apestyles, der sich in seinem Teil mit 24 Händen aus der Bubble-Phase eines einzelnen Turniers beschäftigte. Band 2 konzentriert sich auf Hände, die nach dem Platzen der Bubble bis zum Erreichen des Heads-Up gespielt wurden.

In diesem Band wird ein anderer Ansatz als in Band 1 verfolgt: Jeder Autor hat ein bestimmtes Turnier ausgewählt und bespricht alle wichtigen Hände. Gegen Ende eines Turniers ist es wichtig, möglichst viel über die gegnerischen Spielstile zu wissen und durch die Konzentration auf ein Turnier sind die Autoren in der Lage zu zeigen, wie ihre Wahrnehmungen der Gegner ihre Entscheidungen mitbestimmt haben

Ein besonders beliebter Abschnitt in Band 1 war ein Zusammenschnitt von 20 Händen, die ich gespielt und ausgewählt hatte, und die von allen drei Autoren dahingehend kommentiert wurden, wie sie selbst gespielt hätten. Dadurch wurde eindeutig sichtbar, wie drei Spitzenspieler aufgrund ihrer individuellen Stile zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Da dieser Abschnitt so beliebt war, entschlossen wir uns, in Band 3 nur gemeinsam bearbeitete Hände aufzunehmen. Alle ausgewählten Hände werden aus Turnieren stammen, in denen der Protagonist bereits im Preisgeld ist, weil die Spielweise in dieser Phase für den Erfolg bei Pokerturnieren entscheidend ist. Wir versprechen, dass es dieses Mal nicht so lange bis zum Erscheinen des nächsten Bandes dauern wird.

Die Arbeit mit diesen Spitzenspielern hat für mein eigenes Spiel wahre Wunder bewirkt. Seit Beginn der Zusammenarbeit gewann ich innerhalb eines Jahres zwei Turniere mit mehr als 3.500 Teilnehmern (eines der beiden sogar mit 10.000 Teilnehmern). Einen dieser Siege konnte ich in einem Turnier mit einem garantierten Preisgeld von 750.000 Dollar landen und dabei 132.000 Dollar gewinnen. Zweifellos haben die drei mir geholfen, das Niveau meines Turnierspiels auf die nächste Stufe zu heben. Garantiert Ihnen dieses Buch die gleichen Resultate? Leider gibt es keine Garantien, aber meines Erachtens steht außer Zweifel, dass Ihr Spiel – ganz gleich ob Sie Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi sind – sich durch das hier angebotene Wissen deutlich verbessern wird. Diese drei Spieler sind die Creme de la Creme. Wie oft bekommen Sie Gelegenheit, von einem Spitzenspieler trainiert zu werden? Die Lektüre und das Studium dieses Buchs entspricht der Teilnahme an einem Meisterkurs für Turnierspieler.

Denken Sie daran, Poker soll Spaß machen, aber der Spaß ist größer, wenn Sie gewinnen. Kennen Sie einen besseren Weg zum Erfolg, als die Spielweise der besten Turnierprofis zu studieren?

Jon “Pearljammer” Turner

Hand 1

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800/1.600 Blinds, 200 Ante

Situation: Bei einem 100 $-Rebuy-Turnier bin ich bereits im Preisgeld. Die ersten 27 Plätze werden bezahlt und wir sind noch etwa 25 Spieler. Für den ersten Platz gibt es 22.256 $ und für die Plätze 19 bis 27 noch 514 $. Seit das Feld auf 40 Spieler geschrumpft ist, bin ich die meiste Zeit Chipleader gewesen. Ich profitierte von einem (mir von den meisten Spielern im Voraus unterstellten) tighten Image, mit dessen Hilfe ich während der Bubble mit einigen günstigen Re-Steals Chips anhäufen konnte. Mit einem so großen Stack spiele ich looser als sonst und bin eher zu einem Wettrennen bereit.

Vier der sieben Spieler an meinem Tisch kenne ich, es sind die Spieler 1, 3, 6 und 7. Alle vier sind starke und erfahrene Turnierspieler, die ohne Angst vor dem Ausscheiden um den ersten Platz kämpfen. Bis zum Beweis des Gegenteils kann ich sicher davon ausgehen, dass sie allesamt mit normalen Taktiken starker Internet-MTT-Spieler vertraut sind, also etwa mit einem Stack von 20 Big Blinds oder weniger nach einem Raise nicht folden und profitable Situationen für Re-Steals erkennen. Daher habe ich wahrscheinlich keine Fold Equity, wenn einer dieser Spieler mit einem Stack unter 20 BB raist. Außerdem werde ich mit Händen, mit denen ich nicht bereit bin, das All-In eines Spielers mit 12 bis 20 Big Blinds zu callen, auf Raises aus später Position verzichten. Die Bedeutung dieser Prinzipien (gegen Ende eines MTT) kann an einem Tisch mit vielen starken Spielern gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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Vor dem Flop (4.000): Ich bin im Big Blind und habe starke Suited Connectors. Alle folden zu Spieler 9, der einen Minimum-Raise auf 3.200 bringt. Die Spieler 1, 2 und 3 folden.

Bei 7.200, die nun im Pot sind, bekomme ich Pot Odds von 4,5 zu 1, um mir den Flop anzuschauen. Allerdings lässt der Minimum-Raise von Spieler 9 mit einem Stack von 13 Big Blinds bei mir einige Alarmglocken läuten. Wüsste ich, dass es sich bei ihm um einen starken Spieler handelt, würde ich meine Hand vermutlich trotz der guten Pot Odds folden, da ich bei einem solch einladenden Raise davon ausginge, dass er mit einem extrem starken Blatt auf Action hofft. Ich selbst würde in später Position mit einem Stack von 15 Big Blinds oder weniger mit jeder spielbaren Hand All-In gehen, um so die Fold Equity zu maximieren und die Qualität meines Blatts zu verbergen. Bei einem unbekannten Gegner kann dieser Minimum-Raise jedoch auf zweierlei hindeuten – entweder eine Hand, mit der er vor dem Flop nicht zu viele Chips investieren will, oder ein Monster, mit dem er um Action bettelt. Obwohl ich nicht scharf darauf bin, in dieser Turnierphase Pots ohne Position zu spielen, überzeugen mich die Annahme, dass es sich um einen schlechten Spieler handelt, und die Pot Odds von 4,5 zu 1, mir doch den Flop anzusehen. Ich calle 1.600 und schaue mir in einem Heads-Up den Flop an.

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Flop (8.800): Ich floppe einen Open-ended Straight Draw.

Angesichts der 8.800 im Pot und der Tatsache, dass mein Gegner nur noch 18.000 übrig hat, scheint dies der perfekte Augenblick zu sein, um mit meinem Draw maximalen Druck auszuüben und ihn vor eine definitive Entscheidung zu stellen. Ich könnte mit einer Bet in halber Potgröße die Initiative ergreifen und nach einem All-In callen oder einfach selbst All-In gehen, ihn zur Entscheidung zwingen und meine Fold Equity maximieren. Viele Gegner würden eine Donk Bet jedoch als offensichtliches Zeichen für einen Draw oder einen billigen Steal-Versuch interpretieren – mit einer starken Hand würde ich vor meinem Angriff schließlich eher abwarten, bis mein Gegner weitere Chips investiert hat, oder? Beachten Sie aber Folgendes: Würden die effektiven Stacks nur noch eine Bet in Potgröße zulassen, würde ich mit einer Bet die Initiative ergreifen, um die Fold Equity zu maximieren, – denn nach einem Check würde er vermutlich All-In gehen oder wäre nach einer Continuation Bet zumindest eindeutig Pot-Committed.

In dieser Situation bin ich mir fast sicher, dass mein Gegner eine Continuation Bet bringen wird. Mit einem Check-Raise gewinne ich, falls er foldet, mehr Chips, als wenn ich selbst gesetzt hätte, und außerdem wird meine Hand vermutlich einen stärkeren Eindruck erwecken. Geht er bei seiner Continuation Bet All-In, werde ich folden, da ich davon ausgehen muss, dass er zumindest ein Paar Neunen hat, und mir mit 8 Outs keine ausreichenden Pot Odds angeboten werden. Allerdings rechne ich in den meisten Fällen mit einer niedrigen Bet, nach der er hoffentlich nicht zu einem All-In bereit ist.

Ich checke und mein Gegner setzt 3.600. Ich bin sehr froh, dass er anscheinend immer noch nicht Pot-Committed ist. Ich checkraise auf 22.400 und setze ihn damit All-In. Er foldet rasch.

Hand 2

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1.000/2.000 Blinds, 250 Ante

Situation: Während ich einige Hände foldete, verlor mein Gegner aus der vorherigen Hand seinen kleinen Stack bei einem Wettrennen und schied aus. Die Blinds wurden erhöht und der Druck auf die Spieler mit kleinem Stack ist weiter gestiegen.

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Vor dem Flop (4.750): Ich bekomme eine gute Hand im Hijack, mit der ich nach lauter Folds vor mir sicher raisen würde. Allerdings raist vor mir der starke Spieler 3 auf 5.500.

Nun gibt es gute Argumente sowohl für einen Reraise auf 14.000 bis 15.000, einen Call, als auch einen Fold. Da ich meinem Gegner zutraue, mit einem recht breiten Spektrum zu raisen, ist mein erster Instinkt, mit einem Reraise bei meinem ursprünglichen Plan – wonach ich die Hand ja mit einem Raise spielen wollte – zu bleiben. Allerdings eignet sich der Stack meines Gegners mit 30 Big Blinds sehr gut für einen Re-Reraise All-In, und außerdem muss ich einkalkulieren, dass er vor seiner Entscheidung für einen Raise wohl berücksichtigt hat, häufig von mir gereraist zu werden. Solange ich keinen guten Grund zu der Annahme habe, dass mein Gegner mit einem ziemlich breiten Spektrum All-In geht, ist AJ zu schwach, um eine 4-Bet auf 30 Big Blinds callen. Doch vermutlich schätzt mich Spieler 3 als tight ein und wird nach einem Reraise wohl nur mit einer starken Hand All-In gehen.
Hinzu kommt, dass ich mir auch über die Spieler hinter mir Gedanken machen muss. Nach einem Reraise käme ich nicht mehr von der Hand los, wenn hinter mir jemand mit einer starken Hand aufwacht. Gegen ein All-In der Spieler 5, 6 und 7 bekäme ich ausreichende Pot Odds und befände mich gewiss in einer ungünstigen Ausgangslage. Obwohl ich mir in der Regel nicht sonderlich viele Sorgen wegen der restlichen Gegner mache, wenn ich über einen Reraise gegen einen Spieler in mittlerer bis später Position nachdenke, lohnt es sich doch, diese berücksichtigen. Dies gilt vor allem, wenn mehrere Spieler hinter mir stark sind und wissen, dass ich mit einem derart großen Stack durchaus zu windigen Reraises imstande bin. All diese Faktoren, sowie die momentane und langfristige Einschätzung meines Images sollten bei der Entscheidung für oder gegen einen Reraise in solchen Situationen berücksichtigt werden.

Nachdem ich mich knapp gegen einen Reraise entschieden habe, muss ich noch über einen Call nachdenken, da ich eventuell meinen positionellen Vorteil und meinen großen Stack ausnutzen kann, um profitabel nach dem Flop zu spielen. In einer solchen Turnierphase calle ich nicht gern Raises, da ich nach dem Flop in schwierigen Situationen landen kann. Ich kann mir schwer vorstellen, ein Top Pair zu treffen und anschließend zu folden, aber gleichzeitig fallen mir nur wenige schlechtere Hände ein, mit denen mein Gegner mir auf einem Flop mit einem Ass oder einem Buben als höchste Karte seinen Stack abliefert. Aus diesem Grund sprechen die Reverse Implied Odds in dieser Situation stark gegen mich. Da noch mehrere Gegner an der Reihe sind, ist es auch gut möglich, dass ich mit einem Squeeze Play aus dem Pot gedrängt werde. Obwohl ich gegen einen schwachen Gegner vermutlich reraisen oder callen würde, scheint gegen den starken Spieler 3 ein Fold die beste Option zu sein – wenn auch nur knapp.

Ich folde und die übrigen Spieler am Tisch folgen meinem Beispiel. Spieler 3 gewinnt den Pot.

Hand 3

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1.000/2.000 Blinds, 250 Ante

Situation: Zehn Hände vergingen ohne spielbare Hand und ohne günstige Gelegenheit für einen Steal. Wir sind nur noch zu sechst am Tisch, da Spieler 3 in einem klassischen Wettrennen mit AQs gegen 99 Spieler 1 eliminiert hat.

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Vor dem Flop (4.500): Vor allem mit einem großen Stack ist ein Raise vom Button mit JTo ziemlich Standard und alle vor mir folden.

Bevor ich raise, sollte ich mir aber die Stacks der Blinds anschauen und insbesondere die Lage gegen den starken Spieler im Big Blind abschätzen. Der Small Blind stellt kein großes Problem dar, da ich nicht davon ausgehe, dass er mit seinem Stack von 26 Big Blinds häufig All-In geht, und wenn doch, kann ich problemlos folden. Der Big Blind jedoch hat nur noch 16 Big Blinds und ist durchaus auch mit schwächeren Händen zum All-In imstande. Ihm ist absolut bewusst, dass ich mit meinem großen Stack ein breites Spektrum raise und ich traue ihm ein All-In mit jedem Paar, jedem Ass, jeder Hand mit zwei Bildkarten und einigen anderen starken gleichfarbigen Händen zu. Mit JTo möchte ich gegen dieses Spektrum nicht antreten. Zudem ist mein Positionsvorteil praktisch nicht existent, da die Blinds meinen Raise vermutlich nicht callen werden. Obwohl es im ersten Moment vielleicht paradox klingt, würde ich angesichts der Stacks meiner Gegner mit JTo lieber in erster oder jeder anderen Position raisen als vom Button. Ich entscheide mich für einen Fold.

Der Small Blind foldet ebenfalls und der Big Blind gewinnt kampflos.

Hand 4

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1.000/2.000 Blinds, 250 Ante

Situation: Zwei Hände später sind wir noch immer zu sechst am Tisch. In Kürze werden wir mit 18 Spielern im Turnier vermutlich nur noch an zwei Tischen spielen.

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Vor dem Flop (4.500): Ich bekomme QJo im Hijack, der an diesem Tisch mit sechs Spielern der Position UTG+1 entspricht. Obwohl meine Hand der zuvor beschriebenen mit JTo ähnelt, dürfte ich in dieser Position glaubwürdiger erscheinen. QJ schneidet gegen ein breites All-In-Spektrum leicht besser ab und die Blinds haben so kleine Stacks, dass ich zum Call eines All-In bereit bin. Daher bringe ich meinen normalen Eröffnungs-Raise auf etwas weniger als 2,5 Big Blinds.

Alle Spieler bis zum Big Blind folden, aber dieser geht mit 18.846 All-In. Im Pot sind 26.221 und ein Call kostet mich 13.971. Die Pot Odds betragen also etwas weniger als 2 zu 1 und aufgrund meines großen Stacks ist ein Call selbstverständlich, zu dem ich ja auch schon vor meinem Raise bereit war. Ich calle, mein Gegner zeigt 9Images9Images und es beginnt ein klassisches WettrennenRennen. Auf das Board kommen 8Images4Images2ImagesKImages8Images und ich verliere.

Hand 5

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1.000/2.000 Blinds, 250 Ante

Situation: Zwei Hände später sind wir immer noch zu sechst. Spieler 2 verdoppelte in der letzten Hand gegen Spieler 3, indem er mit AA nach dem Flop ein Wettrennen gegen ein Paar plus Flush Draw gewinnen konnte.

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Vor dem Flop (4.500): Alle folden zu Spieler 7, der im Cut-Off mit 11,5 Big Blinds All-In geht. Alle anderen Spieler folden und ich halte im Big Blind AJo.

Spieler 7 ist stark, und mit seinem kleinen Stack muss ich ihm für sein All-In ein breites Spektrum zutrauen. In seiner Situation würde ich mit jedem Paar, jedem Blatt mit zwei Bildkarten, K7s+, Q8s+, J7s+, T7s+, 98s und 87s sowie mit Ausnahme der schlechtesten Blätter mit allen ungleichfarbigen Varianten der letztgenannten Hände All-In gehen. Bei meinem Gegner gehe ich von einem ähnlichen, wenn nicht sogar noch breiteren Spektrum aus, wodurch ein Call mit AJo unabhängig von meiner Stackgröße selbstverständlich wird.

Ich calle und mein Gegner zeigt KImagesTImages. Das Board bringt 8Image5Images4Images3Images, ich gewinne als 60 zu 40 Favorit die Hand und eliminiere einen starken Gegner.

Hand 6

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1.000/2.000 Blinds, 250 Ante

Situation: Nach dem Ausscheiden von Spieler 7 werden die 18 verbliebenen Spieler auf zwei Tische verteilt. Spieler 1 ist ein solider High-Stakes-Internetprofi mit tight-aggressiver Tendenz. Die Spieler 2, 3 und 4 kenne ich nicht. Spieler 5 saß auch am vorherigen Tisch auf diesem Platz, meine Erfahrungen mit ihm sind recht begrenzt, aber er scheint eher tight zu sein. Spieler 7 ist ein sehr aggressiver Internetprofi, der meist recht undurchschaubar und stark ist, bisweilen aber auch seine Chips verschleudert. Spieler 8 hat am vorherigen Tisch auf Platz 6 gesessen und ist ein solider, aggressiver Profi, der schon seit Längerem mit einem Stack von weniger als 20 Big Blinds auskommen muss und auf eine günstige Gelegenheit wartet. Spieler 9 ist mir unbekannt.

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Vor dem Flop (5.250): Alle folden zu Spieler 5, der auf 5.025 raist. Ich bin als Nächster an der Reihe und befinde mich mit 77 in einer schwierigen Situation. Ein Call mit der Hoffnung auf ein Set kommt nicht in Frage, denn Implied Odds von 10 zu 1 sind in dieser Phase des Turniers nicht einmal ansatzweise ausreichend – vor allem wegen der fünf Spieler hinter mir, die mich mit einem Squeeze Play aus dem Pot drängen könnten. Meine Hand scheint zwar zu stark für einen Fold nach nur einem Raise zu sein, aber mit einem Reraise verschwende ich im Grunde nur Chips. Bei einem normalen Reraise auf etwa 14.000 bekäme ich nach einem All-In von Spieler 5 knapp 2 zu 1 Pot Odds für einen Call. Vor allem, weil dieser Spieler eher tight zu sein scheint, will ich mit 77 nicht gegen ein unbekanntes All-In-Spektrum aus dieser Position antreten, wäre nach einem All-In aber zu einem Call gezwungen und müsste auf AK oder AQ bei meinem Gegner hoffen. Zwar würde ich die Hand in einigen Fällen schon vor dem Flop gewinnen, wenn keiner der fünf anderen Spieler mit einer starken Hand aufwacht, aber nach seinem Raise an einem vollbesetzten Tisch mit einem Stack von 25 Big Blinds wird dieser tighte Spieler vermutlich in rund 65 Prozent der Fälle All-In gehen. Ich muss das Risiko abwägen, entweder mit 50.000 Chips vermutlich als großer Außenseiter anzutreten oder in ca. 30 Prozent der Fälle 10.000 Chips einzustreichen (in 65 Prozent der Fälle geht Spieler 5 All-In und in 5 Prozent der Fälle geht ein Spieler nach mir All-In und ich muss folden). Da sich meines Erachtens das Risiko eines Reraise in diesem konkreten Fall nicht lohnt, folde ich.

Alle anderen folden ebenfalls und Spieler 5 gewinnt den Pot.

Hand 7

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1.200/2.400 Blinds, 300 Ante

Situation: Eine ganze Runde später und es ist wenig passiert. Außer in einer Hand, in der Spieler 1 durch einen Reraise gegen Spieler 9 den Pot gewann, wurden alle Hände durch einen einfachen Raise vor dem Flop entschieden. Mein einzig erwähnenswerter Fold kam zustande, als ich in erster Position KJo hatte. In mittlerer oder später Position hätte ich damit geraist, aber in erster Position folde ich diese Hand meist, es sei denn, ich befinde mich auf der Bubble und kann den Tisch mit meinem großen Stack schwer unter Druck setzen. Die Blinds sind hoch und Steals dadurch wertvoller, aber ich muss auf die vier Stacks mit 10 bis 20 Big Blinds aufpassen, die vermutlich alle darauf aus sind, nach einem Raise All-In zu gehen.

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Vor dem Flop (6.300): Alle folden und ich halte A7o in mittlerer Position. Obwohl sich diese Hand nach dem Flop nicht gut spielen lässt, reicht sie definitiv aus, um mit meinem großen Stack in dieser Position einen Steal zu versuchen. Vor einem Raise muss ich mir jedoch die Stacks der Spieler hinter mir anschauen. Die Spieler 7 und 8 können nach meinem Raise mit einem sehr breiten Spektrum All-In gehen. Spieler 2 hat einen idealen Stack, um nach einem einzelnen Raise All-In zu gehen, und nach lauter Folds der anderen Spieler zudem den Vorteil, die Aktion abschließen zu können. Weniger besorgniserregend, aber dennoch beachtenswert ist Spieler 9, der auf dem Button einen recht großen Stack hat. Dieser und seine Position bieten ihm eine ausgezeichnete Ausgangslage für einen Re-Steal gegen mich und wenn er sich zu einem Call oder einem Raise entscheidet, möchte ich nach dem Flop nicht ohne Position gegen ihn antreten. Trotz der unbestrittenen Stärke meiner Hand machen viele Faktoren dies zu einer unterm Strich ungünstigen Situation für einen Steal. Ich folde.

Alle anderen Spieler folden ebenfalls und Spieler 2 gewinnt im Big Blind den Pot.

Hand 8

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1.200/2.400 Blinds, 300 Ante

Situation: Drei weitere Hände sind vergangen. In der Zwischenzeit habe ich in früher Position aus denselben Gründen J8s und KTs gefoldet wie zuvor A7o. Besonders die Tatsache, dass sich Spieler 1 bzw. 9 in später Position befanden, sprach für einen Fold. In der letzten Hand verlor Spieler 3 mit AK ein Wettrennen gegen ein Paar Damen von Spieler 2. Nun sind nur noch acht Spieler am Tisch.

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Vor dem Flop (5.000): Alle folden zu Spieler 5 im Small Blind, der mit 7.050 auf fast drei Big Blinds raist. Ich bin mit einer mittelmäßigen Hand im Big Blind, die nur spielbar ist, weil mein Blatt gleichfarbig ist, ich Position habe und mit einem Raise des Small Blind konfrontiert bin, dem man nie sonderlich viel zutrauen muss.

Der für diese Turnierphase recht hohe Raise meines Gegners (fast alle anderen Spieler raisen etwa das Zweieinhalbfache oder weniger) kann dem Umstand zugeschrieben werden, dass er sich im Small Blind befindet und ohne Position spielen muss, falls ich gegen ihn antrete. Mir gefällt die Höhe seines Raise, schließlich erhöhe ich in dieser Turnierphase bei einem Raise im Small Blind ebenfalls auf drei Big Blinds und außerdem muss er angesichts unserer Stackgrößen nicht gleich All-In gehen.

Da mein Gegner zu einem Raise ohne Position bereit ist und weiß, dass ich in dieser Situation mit einem recht breiten Spektrum All-In gehen werde, vermute ich, dass er ein All-In callen würde. Daher kommt ein All-In nicht in Frage. Ein Call, um die Hand in Position zu spielen, ist vertretbar, aber ich halte das Risiko, mit Top Pair auf dem Flop in Schwierigkeiten zu geraten, für unnötig. Aufgrund der gegnerischen Stackgrößen könnte ich Top Pair auf dem Flop nicht folden, müsste aber befürchten, in den meisten Fällen dominiert zu sein, wenn es auf einem Flop mit einer Dame oder einer Acht als höchste Karte zum All-In kommt. Mit einem Call müsste ich darauf hoffen, einen Flush Draw, einen Straight Draw oder Top Pair zu treffen und den Pot ohne Showdown zu gewinnen, daher fürchte ich, dass sich die Hand aufgrund der Reverse Implied Odds nicht lohnt. Ich folde und Spieler 5 gewinnt.

Hand 9

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1.400/2.800 Blinds, 350 Ante

Situation: Zehn Hände sind seit der zuvor beschriebenen vergangen und ich bekam weder spielbare Karten noch boten sich günstige Situationen für Re-Steals. Zumeist wurden die Chips durch ungecallte Raises vor dem Flop und einige erfolgreiche Reraises gewonnen, nur einmal kam es zu einem Flop, auf dem Spieler 5 nach seinem Raise vor dem Flop keine Continuation Bet brachte und die Hand aufgab, als Spieler 9 auf dem Turn setzte. Die Blinds und Antes sind gestiegen.

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Vor dem Flop (7.000): Alle folden zu Spieler 4 im Hijack, der auf 6.300 raist. Spieler 5 foldet und ich halte auf dem Button AQo.

In der Situation von Spieler 4 würde ich mit einem Stack von 17 Big Blinds nicht raisen, ohne zum All-In bereit zu sein. Aus diesem Grund nehme ich in der Regel an, dass jeder starke Spieler dies genauso sieht. Allerdings kenne ich Spieler 4 nicht und möglicherweise ist er nach einem Reraise zum Fold bereit. Doch selbst wenn ich wüsste, dass Spieler 4 mit seinem gesamten Spektrum für einen Eröffnungs-Raise callen würde, würde ich mit AQ immer noch reraisen und mich auf ein All-In einlassen. AQ ist in dieser Position für einen Fold einfach zu stark, doch ich übe wesentlich lieber bereits jetzt Druck aus, anstatt zu callen und die Hand nach dem Flop auszutragen. Da die Stacks der Spieler in den Blinds unter 20 Big Blinds liegen, bin ich auf jeden Fall bereit, mit AQ um all deren Chips zu spielen. Ein Reraise auf etwa 17 BB wäre vernünftig und besser, wenn einer der Blinds einen großen Stack hätte, aber da mir kein noch aktiver Spieler sonderlich schaden kann, ziehe ich den maximalen Druck vor und gehe All-In.

Ich gehe mit 182.448 All-In und alle folden.

Hand 10

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1.400/2.800 Blinds, 350 Ante

Situation: Vier weitere Hände sind absolviert. In der letzten Hand habe ich mit 8Images5Images stark einen Steal in Betracht gezogen, nahm letztlich aber aufgrund meiner Position davon Abstand, und weil die Spieler 7 und 8 hinter mir günstige Stacks für ein All-In hatten.

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Vor dem Flop (7.000): In erster Position habe ich eine mittelmäßige Hand, die ich unter diesen Umständen an einem Tisch mit acht Spielern meist folde.

Allerdings bringen mich mehrere Faktoren dazu, gegen meine normale Spielweise zu verstoßen und zu raisen. Zum einen ist es schon lange her, seit ich zuletzt einen Eröffnungs-Raise brachte – genau genommen 32 Hände, und nur die ersten beiden davon spielte ich an meinem alten Tisch. Obwohl viele Spieler davon ausgehen, dass große Stacks loose-aggressiv sind, habe ich mir vermutlich ein sehr tightes Image aufgebaut, aus dem ich nun Kapital schlagen kann. In erster Position sollte mein Raise glaubwürdiger erscheinen und die Spieler 7 und 8 dürften für ein All-In eine sehr starke Hand benötigen – vermutlich 99+ bzw. AQ+. Durch die Kombination dieser Faktoren ist diese Situation günstig genug, um mit einer marginalen Hand einen Steal zu versuchen. Ich raise auf 6.750, mein Standardbetrag in diesem Level, der etwas weniger als zweieinhalb Big Blinds entspricht. Alle folden und nur der Big Blind callt.

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Flop (17.700): Mein Gegner checkt. Ich habe Top Two Pair getroffen, aber es ist ein Flush und eine Straight möglich.

Mit 17.700 im Pot und nur einem Gegner, der darüber hinaus nur noch 52.000 übrig hat, bin ich definitiv zum All-In bereit. Allerdings gibt es eine Menge Karten wie ein Ass, eine Dame, eine Zehn oder ein Kreuz, die auf dem Turn für Probleme sorgen oder jegliche gegnerische Aktion mit schlechteren Händen im Keim ersticken könnten. Dies ist so ziemlich das ungünstigste Board für ein Slowplay mit Top Two Pair. Obwohl ich bei meinen Continuation Bets in der Regel lieber etwas weniger als halbe Potgröße setze, sollte sie in dieser Situation etwas höher ausfallen, da meine Hand durch derart viele Karten auf dem Turn entwertet werden könnte. Allerdings will ich auch nicht zu viel setzen, da ich meinen Gegner nicht davon abhalten will, mit dem nackten AImages oder einer Hand wie J×TImages einen Angriff zu starten. Ich setze mit 9.750, etwas mehr als halbe Potgröße, und werde bei einem All-In meines Gegners auf jeden Fall callen.

Mein Gegner foldet und ich gewinne den Pot.

Hand 11

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1.700/3.400 Blinds, 400 Antes

Situation: Drei Hände nach der eben beschriebenen. Die Blinds sind gestiegen, wodurch fünf meiner sieben Gegner unter die Schwelle von 20 Big Blinds fielen. In der letzten Hand raiste Spieler 1 niedrig auf 6.575 und Spieler 7 callte im Big Blind. Anschließend wurde durchgecheckt und Spieler 7 gewann mit 55 gegen die A9o von Spieler 1, die nichts getroffen hatten. Ich finde es interessant, dass sich Spieler 7 mit nur 17 Big Blinds zu dieser Spielweise mit 55 entschloss. Normalerweise würde ich von ihm und fast jedem starken, aggressiven Spieler erwarten, dass er mit dieser Hand nach einem Raise vor dem Flop All-In geht und damit seine Fold Equity gegen ein vermutlich breites Steal-Spektrum maximiert. Diese Hand zeigt, dass Spieler 7 momentan konservativ spielt und keine Situation mit leicht positivem Erwartungswert sucht, sondern auf eine besonders günstige wartet, bevor er sein Geld in die Mitte schiebt.

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Vor dem Flop (8.300): Alle folden und ich nehme auf dem Button mit QJo eine Hand auf, die für meine Position recht gut ist.

Hätten meine Gegner in den Blinds weniger als 15 Big Blinds würde ich einfach All-In gehen, maximalen Druck ausüben und ihnen jede Illusion nehmen, dass sie nach einem Standard-Raise von mir mit einem All-In Fold Equity hätten. Beachten Sie, dass ich bei solchen gegnerischen Stacks niemals einen Standard-Raise bringen und anschließend auf ein All-In folden würde, denn ich will lieber selbst maximalen Druck ausüben, als meinem Gegner gestatten, mit 33 oder KT ein All-In zu verursachen, das ich mit meiner marginalen Hand callen müsste.

In diesem konkreten Fall hat Spieler 7 noch 17 Big Blinds und Spieler 8 noch 12,5 Big Blinds. Beachten Sie den Unterschied zwischen dieser Hand und Hand 3, in der ich JTo auf dem Button hatte. Damals hatten die Blinds 26 bzw. 16 Big Blinds und ich wollte mich auf keinen Fall mit einer derart marginalen Hand gegen diese Stacks in einen Pot verstricken. Jetzt aber habe ich eine etwas bessere Hand und die Stacks meiner Gegner sind kleiner. Bringe ich meinen Standard-Raise in Höhe von 7.875 und Spieler 8 geht All-In, bekäme ich Pot Odds von 1,6 zu 1 für einen Call (8.300 + 7.875 + 38.949 = 55.124 und 55.124 : 34.474 = 1,6). Obwohl dies nicht die wünschenswerten Pot Odds von 2 zu 1 sind, um das All-In eines Short Stacks mit einer marginalen Hand zu callen, reichen sie angesichts unserer Positionen aus. Geht Spieler 7 All-In bekomme ich Pot Odds von 1,44 zu 1, zu wenig, obwohl er mit einem recht breiten Spektrum All-In gehen sollte. In der Hitze des Gefechts mache ich niemals so exakte Berechnungen, schätze jedoch die Pot Odds ab und beschließe schon vor meinem Raise, ob ich ein All-In eines der beiden Spieler callen würde. Allgemein gesagt sollte ich in dieser Situation niemals vom Button raisen, ohne bereit zu sein, das All-In eines Spieler mit einem Stack von 15 Big Blinds oder weniger zu callen.

Die letzte Überlegung, die mich von einem Raise überzeugt, ist die konservative Vorgehensweise von Spieler 7 in der Hand zuvor mit 55. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass er für ein All-In eine deutlich stärkere Hand braucht, als ich davor glaubte. Aus diesem Grund bin ich von meiner Entscheidung überzeugt, ein All-In von ihm nicht zu callen, sehr wohl aber eines von Spieler 8.

Ich raise auf 7.875 und beide Blinds folden.

Hand 12

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1.700/3.400 Blinds, 400 Antes

Situation: Diese Hand folgte unmittelbar auf die vorherige.

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Vor dem Flop (8.300): Alle folden zu mir im Cut-Off und ich habe angesichts meiner Position eine starke Hand.

Vor einem Raise muss ich – wie üblich bei kleinen Stacks hinter mir – wissen, wessen All-In ich callen würde. Obwohl er bislang konservativer als sonst gespielt hat, würde ich auf jeden Fall ein All-In von Spieler 7 callen, da er mit jedem Paar, jedem Ass mit gleichfarbiger Beikarte, A8o+, KJ+ und vermutlich einigen starken Suited Connectors wie JTs und T9s so spielen könnte. Beachten Sie, dass er im Glauben, er besäße Fold Equity, weil ich mit einem breiten Spektrum raisen könnte, durchaus mit einigen schwächeren Händen All-In gehen kann. Meine konkrete Hand, AJo, liegt klar im oberen Bereich meines Spektrums für einen Raise. Natürlich würde ich auch ein All-In von Spieler 8 ohne Zögern callen, obwohl es bei ihm unwahrscheinlicher ist, dass er mit einer Hand wie JTs All-In geht, da er sich so gut wie keine Fold Equity geben kann. Allerdings geht er vielleicht mit so schwachen Händen wie A2s oder A8o All-In, da er durchaus vorne liegen könnte und mit nur noch 12 Big Blinds bald einen Angriff starten muss.

Ich raise auf 7.875 und Spieler 7 foldet, aber Spieler 8 geht mit 38.549 All-In. Spieler 9 foldet und ich calle wie geplant. Spieler 8 zeigt 4Images4Images und es beginnt ein Wettrennen. Das Board bringt TImages6Images5Images4Images4Images und mein Gegner gewinnt mit einem Vierling Vieren, ein wenig des Guten zu viel.

Hand 13

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